Paralympics in Sotschi : Sie zeigen es allen

Mit der Actionsport-Doku „Gold“ startet das Erste die Übertragungen der Paralympics. ARD und ZDF berichten 20 Stunden aus Sotschi.

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Nicht zu stoppen. Kurt Fearnley war schon auf Tour durch Papua-Neuguinea, bei den Paralympics 2012 in London – und ist einer der Protagonisten im Film „Gold“.
Nicht zu stoppen. Kurt Fearnley war schon auf Tour durch Papua-Neuguinea, bei den Paralympics 2012 in London – und ist einer der...Foto: Thilo Rückeis

Der Mann beugt sich nach vorn, ackert und schwitzt. Immer wieder fliegen seine Arme neben den Rollstuhlreifen in die Höhe und treiben das Sportgerät auf der Trainingsrampe in der Garage an: surr, surr. Kurt Fearnley, australischer Rennrollstuhlathlet, ist aufs Training fokussiert. Da kommt seine Frau rein, nimmt ihm den Musikhörer vom Ohr, sie will was von ihm. Aber er kann jetzt nicht! Schon gut, deutet sie an, und sie sagt liebevoll noch so was wie „Schatz, du stinkst“.

Es sind Momente wie dieser, die den ersten Dokumentarfilm der Welt über Paralympioniken als Leistungssportler unvergessen machen. Am Vortag des Beginns der Paralympischen Winterspiele in Sotschi hat die bei der Berlinale 2013 gefeierte Actionsport-Doku „Gold – Du kannst mehr als Du denkst“ von Grimme-Preisträger Michael Hammon sowie den Produzenten Andreas F. Schneider und Hendrik Flügge in der ARD Fernsehpremiere. Danach zeigen das Erste und das ZDF mehr von den Spielen als bei Vancouver 2010: 20 Stunden, die Eröffnungsfeier gibt es live und im Internet erstmals Livestreams der Wettkämpfe.

Im Kino hat der Film das Publikum zum Lachen und zum Weinen gebracht. „Gold“ begleitet Spitzensportler aus drei Ländern auf ihrem Weg durchs Leben und zu den Sommerparalympics in London 2012. Es ist der von Geburt an „behinderte“ Kurt Fearnley, der auf zwei Armen durch Bäche watet und über Zäune klettert. Die Kamera begleitet den blinden kenianischen Marathonathleten Henry Wanyoike und seinen sehenden Begleiter Joseph Kibunja bei Läufen durch die kenianische Steppe an Giraffen vorbei. Die beiden sind mit einem Band am Arm verbunden. „Ich bin Henrys Augen“, sagt Joseph. Seine Lehrerin und seine Mutter strahlen im Film. Und alle lachen, als Henry einmal einen anderen Guide ins Ziel schleppte, der Nichtbehinderte konnte nicht mehr. Zum Anfang von „Gold“ schwimmt die dritte Protagonistin, die frühere deutsche Gold-Schwimmerin Kirsten Bruhn, in der Weite des Meeres. Wegen ihrer Querschnittlähmung nach einem Motorradunfall war sie erst unglücklich. Jetzt ist sie seit Jahren glücklich, auch mit Schwimmtrainer Phillip Semechin.

"Gold" war der einzige Berlinale-Premieriefilm, den sich Gauck angesehen hat

Wer noch nie etwas mit Paralympics zu tun hatte, kann sich derart also vorm Bildschirm für die Spiele in Sotschi warmmachen, wo 700 Athleten aus 45 Nationen starten werden. „Gold – Du kannst mehr als Du denkst“ war der einzige Berlinale-Premierefilm, den sich Bundespräsident Joachim Gauck angesehen hat. In Deutschland feierte der Film in einem riesigen Hangar in Hamburg Premiere. Da schwärmten auch die Klitschko-Brüder von Paralympioniken als Idolen. Jetzt schauen allerdings alle gebannt auch auf die politische Lage auf der Krim.

„Gold – Du kannst mehr als Du denkst“, Donnerstag, ARD, 20 Uhr 15. Die Eröffnungsfeier der Paralympics wird dann am Freitag, 16 Uhr 45, vom ZDF übertragen.

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