Paris Hilton : Prinzessin Pippi Langstrumpf

Paris Hilton fasziniert Millionen. Jetzt sucht sie auf MTV eine neue Freundin. Die Doku-Soap ist so oberflächlich, wie das It-Girl selbst wirkt.

Sonja Pohlmann
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Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr? Paris Hilton (Mitte) sucht aus sechzehn Mädchen und zwei Jungs einen „New...

Es war ein großer Tag für George W. Bush. Endlich war der irakische Diktator Saddam Hussein gefasst, und in einer Fernsehansprache wollte der amerikanische Präsident nun seine Nation über diesen Erfolg informieren. Aber Bush hatte die Wirkung von Paris Hilton unterschätzt. Gleichzeitig zur Rede wurde auf einem anderen Kanal ihre Doku-Soap „The Simple Life“ ausgestrahlt, und am Ende interessierten sich mehr Zuschauer dafür, wie das Glamourgirl grell geschminkt durch Kuhmist stapfte, als für Bush, der seinen Erfolg verkündete.

Obwohl sie auf den ersten Blick nichts kann, außer gut auszusehen, Partys zu feiern, über das Fell ihrer Hunde zu streicheln und „That’s hot“ zu hauchen, fasziniert Paris Hilton, 27, Millionen von Menschen weltweit. Auch in Deutschland treten sich Fotografen und Journalisten gegenseitig auf die Füße, wenn die Blondine wie beispielsweise im Dezember 2007 nach Berlin kommt, um für einen Prosecco aus der Dose zu werben. Der Sender Viva erzielte zuletzt mit der Ausstrahlung von „The Simple Life“ eine Einschaltquote, die über seinem sonstigen Durchschnitt lag. Von dieser Anziehungskraft Paris Hiltons will jetzt auch MTV profitieren und zeigt ab dem heutigen Dienstag die bereits in den USA ausgestrahlte Doku-Soap „Paris Hilton’s My New Best Friend Forever“, in der sich die Enkelin des Hotelkettengründers eine neue beste Freundin sucht. Mit ihrer ehemals besten Freundin Nicole Richie, die ebenfalls in „The Simple Life“ mitspielte, pflegt sie nach einem heftigen Streit noch immer Distanz.

Wichtigste Voraussetzung für die Neue: Sie muss „hot“ sein, natürlich nicht so „hot“ wie Paris Hilton selbst – so lautet die unausgesprochene Regel. Sechzehn Frauen und zwei Männer buhlen in der Serie darum, künftig Hiltons „BFF“ zu sein. Nicht etwa, um etwas vom Ruhm des It-Girls abzukommen, möglicherweise gar selbst berühmt zu werden, sondern um mit der Millionärin durch gute und durch schlechte Zeiten zu gehen. Bei verschiedenen Aufgaben müssen die Kandidaten, die zusammen in einer Villa untergebracht sind, zeigen, dass sie „BFF“-würdig sind. Wer sich beispielsweise bei der Typberatung weigert, sein braunes Haar platinblond zu färben, muss gleich wieder gehen. Das ist nämlich „ not hot“.

Die Doku-Soap ist so oberflächlich, wie Paris Hilton selbst wirkt. Aber gerade darin liegt die Faszination, die sie zu einer der zurzeit bekanntesten Frauen weltweit macht. Sie steht für den Traum einer modernen Prinzessin, die mit Sportwagen, Kreditkarten ohne Limit und einem stets gefüllten Champagnerglas ein sorgenfreies Leben zu führen scheint, angereichert mit einem Schuss Pippi-Langstrumpf-Romantik, weil sie alles darf, aber nichts muss, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einmal schrieb. Dadurch bietet sie eine perfekte Projektionsfläche für Bewunderung und Zuneigung, aber auch für Neid und Ablehnung – und durch all das: Unterhaltung.

Ihr Erbe von geschätzten 30 Millionen US-Dollar erscheint gering, verglichen mit den Millionen, die sie durch Werbung für Dosenprosecco und Telefonverzeichnisse, Merchandising von Parfüm- und Kleidungslinien, Party- und TV-Auftritten verdient. 360 Millionen US-Dollar soll ihr Vermögen betragen. Wie bei Verona Pooth wird auch bei Paris Hilton deshalb gerne vermutet, dass sie gar nicht so doof sein kann, wenn sie es schafft, ihre angeblich mangelnde Intelligenz so gut in Szene zu setzen und damit einen Batzen Geld zu verdienen. Tatsächlich scheint hinter Paris Hilton kein Berater zu stehen, der ihr Ratschläge gibt, wie sie sich als Nächstes inszenieren muss, um es wieder in die Schlagzeilen zu schaffen.

Sie selbst hat das beste Gespür dafür, wie sie die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen kann. So wie kürzlich, als sie sich nach der Trennung von ihrem Freund Benji Madden selbst ein Weihnachtsgeschenk machte: einen rosa farbenen Bentley – einen schwarzen könnte sich schließlich jeder kaufen. Diese Berechenbarkeit macht Paris Hilton für viele Menschen sympathisch. Ihre Eskapaden beschädigen deshalb auch nicht ihr Image, sondern werden von ihr in die Inszenierung ihrer Authentizität eingebaut. So wie ihre Aufregung um das Pornovideo, das ihr Ex-Freund unter dem romantischen Titel „One night in Paris“ veröffentlichte, angeblich gegen ihren Willen. Oder ihr Gefängnisaufenthalt wegen Fahrens ohne Führerschein, über den sie später exklusiv in der Talkshow „Larry King“ berichtet. Sich und ihr Leben zu vermarkten, das ist das, was Paris Hilton am besten kann. Jetzt muss eben die Freundschaft dran glauben.

„Paris Hilton’s My New BFF“, 21 Uhr, MTV

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