Medien : Pariser Palaver

Heinz Florian Oertel

KRITISCH GESEHEN

sah schwache deutsche Sportler und Kommentatoren

bei der Leichtathletik-WM im Fernsehen

Wer als Urleichtathletikfreund zwei Dutzend Übertragungsstunden am Bildschirm verbrachte, erlebte hervorragende Leistungen bei der WM in Paris, wenn auch die deutschen Starter wenig dazu beitrugen. Diesem schwächlichen Abschneiden schlossen sich deutsche TV-Kommentatoren brüderlich an. Mangelhafte Form und bei manchen auch mangelhaftes Können bestimmten das Niveau – alles andere als weltmeisterlich.

Zu oft verstießen ARD- und ZDF-Reporter gegen den ABC-Grundsatz: Das Gesprochene muss zum Bild passen. Wenn Meier auf dem Bildschirm rennt, kann Krüger am Mikrofon nicht über Lehmann faseln. Ebenso oft verschenkte man ungerechtfertigte Vorschusslorbeeren. Statt präziser Fakten Event-Geplapper. Frisch, fromm, fröhlich drauflos. Im Bistrostil. Kaum eine erkennbare Dramaturgie. Langatmige, auch stolpernde Satzkonstruktionen. Und Sommerschlussverkauf mit Übertreibungen. Spinnen mit Adjektiva: super, hyper, gewaltig, gigantisch bis zum dümmlichen sensationell. Was zuletzt auf den Männer-Marathon bezogen wurde.

Schade. Heruntergewirtschaftete Leichtathletik und zur Beliebigkeit degradierte Kommentierungen. Natürlich stimmt: Zeigen die „eigenen“ Athleten Gutes, animiert dies meist auch den Reporter. Doch gerade von Ansteckungen durchs Provinzielle sollten mindestens die Gestandenen unter den Kommentatoren gefeit sein. Allem Anschein nach war am Ende das ARD-Team aber so geschockt, dass es sonnabendlichen Pokalfußball in Gerbrunn und Bergedorf der Live- Berichterstattung vom Frauen-Speerwerfen, Weitsprung und 5000-Meter-Lauf vorzog. Das war ein Zeichen.

Speziell noch schade, dass beim Männer-Marathon gerade Gerd Rubenbauer, sonst einer, der es kann, Merkwürdiges von sich gab. Der Bajuware kritisierte pikiert und mit sozialpolitischem Zeigefinger die Kursführung. Gerade die letzten Kilometer in Stadionnähe durch Saint Denis fanden nicht seinen Geschmack, denn dies bedeutete ein „schmutziges Ende“. Die „Wohnsilos dieses Vorortteils, optisch reizlos, bedeuten keine Werbung für Paris.“ Geschmacklos? Jedenfalls eine deutsche Variante von Gäste-Verhalten. Oder arrogant?

Das alles zusammen wirft erneut eine alte Frage auf. Wenn Sportreporter Leistungen von Athleten kritisieren, auch deren (vielleicht) ungenügende Vorbereitung, muss doch zurückgefragt werden dürfen. Wer kontrolliert und bilanziert eigentlich in den Sendeanstalten die Vorbereitungen und Leistungen derjenigen, die vor einem Millionenpublikum sprechen dürfen?

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