Medien : Patricia Schlesinger: Ein Porträt: Eine Journalistin will nach oben

Katja Hübner

Patricia Schlesinger sitzt im zehnten Stock des Hamburger NDR-Gebäudes. Man hat von hier aus einen wundervollen Blick. Wenn die Sonne scheint, leuchtet sie prall in das Büro und holt interessante Dinge ans Licht: Souvenirs aus Südostasien. Wandteppich, Bilder, Skulpturen. Erinnerungen an Singapur. Vor fünf Jahren war Patricia Schlesinger dort, als Auslandskorrespondentin des NDR. Danach fing sie als Moderatorin des Magazins "Panorama" an. Ende Juni ist Schluss damit - nach viereinhalb Jahren. Im August geht sie nach Washington. Schnell und nahtlos. So läuft das bei ihr.

Auch wenn Patricia Schlesinger von sich erzählt, klingt das so. Eine Station folgt der anderen. Da ist zunächst einmal der Beruf. Dass sie Journalistin werden wollte, wusste sie bereits mit 16. Seitdem steht bei ihr die Arbeit an erster Stelle. Karrieresüchtig? Nein. Ehrgeizig? Vielleicht. Manche Fragen, weiß die Moderatorin aus eigener Erfahrung, bleiben oft unbeantwortet. Möglichkeiten, sagt sie, hatte sie viele.

Angefangen hat bei ihr alles in Hannover. Dort ist sie geboren, dort ist sie aufgewachsen und zur Schule gegangen. Groß geworden ist sie mit dem "Weltspiegel", mit "Panorama" und "Monitor". Zusammen mit ihren Eltern redete sie darüber. Früh will Patricia Schlesinger erkannt haben, dass "die Beschäftigung mit Sprache und Text" ihr Spaß macht. Und dass ihr das Schreiben liegt. Publizistik und Kommunikationswissenschaften, das, wusste sie, würde sie nicht weiter bringen. Sie suchte nach Studienfächern, auf denen sie etwas aufbauen kann, "die ihr helfen". Helfen wobei? Vielleicht gerade dabei, einen Platz zu finden, auf dem sie nicht so aussieht, als hätte sie sich nur dazu gesetzt. Sie entschloss sich dann dazu, in Hamburg Politik und Wirtschaft zu studieren.

Es ist schwer zu sagen, ob Patricia Schlesinger mit dem Erfolg gerechnet hat, es geplant hat, einmal in der zehnten Etage zu sitzen. Vielleicht aber witterte sie eine Chance. Möglicherweise hat sie geahnt, dass die Zeit der Frauen noch kommt. Und sich deshalb in eine Männerdomäne begeben. "Leicht ist es nicht, als Frau im politischen Journalismus", sagt Patricia Schlesinger. "Man steht mehr unter Beobachtung: Was macht sie? Warum macht sie es? Wie macht sie es?" Und dann ist da noch die Sache mit dem Aussehen. "Ja, auch die spielt eine große Rolle", weiß Schlesinger. Patricia Schlesinger strahlt Klarheit aus. Dabei ist sie nicht gerade eine der landesüblichen Fernsehschönheiten. Keine Lottofee. Kein lächelndes Blondchen. Keine, die dem Zuschauer zu verstehen geben könnte, es ihnen leicht zu machen. Im Gegenteil. Patricia Schlesinger ist kühl, geradlinig, direkt. Diese Direktheit muss es auch gewesen sein, die sie noch während des Studiums als Volontärin zum NDR brachte. Als feste Freie arbeitete sie nach dem Volontariat für die Wirtschaftsredaktion, bis sie als Reporterin zu "Panorama" kam. Ihr "straight to the point"-Verhalten, für das Patricia Schlesinger in der Redaktion bekannt ist, kam ihr auch dort zugute. Fünf Jahre lang recherchierte und lieferte sie meinungsfreudige, politische Beiträge.

Doch dann muss es der rothaarigen Reporterin so gegangen sein wie jetzt: Die Sehnsucht nach etwas Neuem kam in ihr hoch und wurde immer stärker. Sie hatte gehört, dass die Stelle des Auslandskorrespondenten in Singapur frei wird. Sie hatte gezielt auf diesen Job hingearbeitet. Und letztlich hat sie ihn auch bekommen. "Man muss wissen, dass es ein Leben ist, das einen absolut dem Job verschreibt." Aus zwölf Ländern Südostasiens berichtete sie für das Erste, "95 Prozent Job, fünf Prozent ausschlafen". Es war beschlossene Sache. Der Beruf hat Priorität. Es ist beschlossene Sache.

Mitunter weiß Patricia Schlesinger, dass ihre Direktheit nicht nur Freude macht und Freunde. Aber es funktioniert: Die Menschen wissen ganz gut, woran sie bei ihr sind. Als vor knapp fünf Jahren das Angebot kam, die Moderation des Magazins "Panorama" zu übernehmen, zögerte Patricia Schlesinger nicht lange. So wie sie überhaupt selten zögert. Sie packte ihre Sachen in Singapur und kam zurück nach Hamburg. Seit dem Start von "Panorama" im Jahr 1961 war Patricia Schlesinger die erste Frau in der Moderation. "Ich bin so alt wie die Sendung", soll sie damals gern gesagt haben.

Doch sie musste in dieser Zeit auch negative Erfahrungen machen. Neonazis schickten ihr Morddrohungen, denn Schlesinger ist ein jüdischer Name. Als "Judensau" oder "Judenfotze" wurde sie beschimpft. Mit Zyklon B sollte es nun endlich auch sie erwischen. Patricia Schlesinger scheint das irgendwie gelassen zu sehen. Sie arbeitete einfach weiter.

Und nun also Amerika. Im August löst sie Robert Hetkämper in der amerikanischen Hauptstadt ab. Ihre einjährige Tochter und ihr Mann begleiten sie. Patricia Schlesinger wird den zehnten Stock verlassen. Und klettert die Karriereleiter noch ein bisschen höher.

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