Pay-TV : Geht Pleitgen zu Kirch?

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hält hartnäckig an ihrem Plan fest. Zusammen mit ihrem Vermarktungspartner für die Bundesliga-Rechte ab der Saison 2009/2010, der Kirch-Firma Sirius, will sie die Produktion der Spielberichte betreiben.

Joachim Huber

Ein gemeinsames Unternehmen wurde mit dem Ziel gegründet, weiteren Interessenten an der Liga-Verwertung im Pay-TV-Bereich die Herstellung der Bilder und Töne abzunehmen. Dagegen wendet sich mit Vehemenz das Pay-TV Premiere, das auf die Unabhängigkeit seiner Berichterstattung pocht. Beim Bundeskartellamt hat Premiere gegen das DFL-Projekt Einspruch erhoben. Die Behörde prüft weiterhin, auch weil noch nicht alle DFL-Unterlagen eingetroffen seien, wie eine Sprecherin sagte.

Der kritische Punkt der unabhängigen Berichterstattung lässt die Vertragspartner nicht ruhen. Die „Süddeutsche Zeitung“ will erfahren haben, dass das gemeinsame Produktionsunternehmen einen Programmbeirat bekommen solle. Ehemalige Intendanten wie Fritz Pleitgen (WDR) oder Jobst Plog (NDR) sollten dann über die Wahrung der journalistischen Standards wachen. In der Szene stößt solch ein Gremium auf Skepsis bis Ablehnung. Premiere-Sprecher Torsten Fricke sagte dem Tagesspiegel, ein Beirat wäre „nichts anderes als Schaufensterpolitik“. Die Position von Premiere sei unverändert: „Wir wollen unsere Spielberichte weiterhin selber produzieren.“

Auch wäre nicht wenig Ironie im Spiel, sollten ausgerechnet emeritierte ARD-Granden für Leo Kirch die journalistischen Aufpasser spielen. Kirch und die ARD haben in der Vergangenheit heftig um Bundesliga-Rechte konkurriert. Damals hatte Kirch versucht, über inflationäre Preispolitik die „Sportschau“ der ARD „totzukaufen“. Beim Bundeskartellamt bleibt man cool. Bisher seien die genauen Aufgaben eines Beirats nicht bekannt. Außerdem entscheide das Amt nur nach Kartellrecht, bei dem journalistische Unabhängigkeit keine Rolle spiele.

Der Medienmogul Rupert Murdoch hat unterdessen seine Beteiligung am Bezahlsender Premiere aufgestockt. Der Unternehmer habe seinen Anteil von 14,58 auf 19,9 Prozent erhöht, meldete die dpa am Donnerstag. Der Premiere-Aktienkurs legte zwischenzeitlich um 4,5 Prozent auf gut 15 Euro zu. Murdoch war Anfang Januar als Großaktionär bei Premiere eingestiegen. Ein mit seiner News Corp. verbundenes Unternehmen kaufte damals für 287 Millionen Euro das Anteilspaket vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Mit dem Geschäft gelang Murdoch nach mehreren Anläufen der Wiedereinstieg in den deutschen Medienmarkt.

Premiere-Chef Michael Börnicke äußerte sich wohlwollend über Murdochs Anteilsaufstockung. „Wir sehen das Engagement der News Corporation als positives Signal – sowohl für die Attraktivität von Premiere als auch für die Wachstumsmöglichkeiten von Pay-TV im deutschsprachigen Raum. Das Engagement liegt im operativen und strategischen Interesse von Premiere“, sagte Börnicke der Agentur Reuters. Joachim Huber

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