Peaches Geldof und die bunten Blätter : Die Tote kann sich nicht wehren

Vorzugsweise jung: Nach dem Tod von Peaches Geldof schlägt die Stunde der Regenbogenpsychologen in der Klatschpresse. Moritz Tschermak vom Weblog "Topf voll Gold" hat sich das näher angesehen.

Moritz Tschermak
Das neue Blatt
Das neue BlattVerfälschtes Bild?

Die Berichterstattung zum Tod von Bob Geldofs Tochter Peaches reicht von zurückhaltend über irre ("Focus online": "Die Geldofs und ihre Freunde, so scheint es, sterben vorzugsweise jung") bis völlig irre ("Bravo.de": Nr. 8 der "10 Dinge, die du nicht über sie wusstest!": "Zu ihrer Familie gehören auch diese süßen Hunde und eine Katze"). In einem Punkt sind sich die Medien allerdings einig: Weder wahlloses Herumraten noch eine Obduktion förderten bis jetzt die Todesursache zutage.

Nur „Das neue Blatt“ sieht das anders. Zwar schreibt das Regenbogenheft aus dem Bauer-Verlag: „Keine Drogen, kein Abschiedsbrief“ und „Selbstmord schließen die Beamten aus“. Dennoch können die Redaktionspathologen in ihrer dicken, fetten Überschrift ein überraschendes Untersuchungsergebnis präsentieren: „Neuer Schicksalsschlag – ROCK-Legende BOB GELDOF (62) – Seine Tochter starb an gebrochenem Herzen“. Rumms!

Es ist eine simple Gleichung aus dem Bereich des Ausdenfingernsaugens, die „Das neue Blatt“ zum Tod von Peaches Geldof aufstellt: „Denn schon als kleines Mädchen von elf Jahren verlor sie ihre Mutter Paula Yates. Die 41-Jährige starb an einer Überdosis Heroin. Den Tod der eigenen Mama hat sie nie überwunden.“ Und wenn es sonst keinen offiziellen Befund gibt und die Chefredakteurin unbedingt einen großen Artikel über Geldof im Blatt haben will, dann denkt man sich eben mal die Sache mit dem gebrochenen Herzen aus. Wen juckt das schon? Die Tote kann sich ja eh nicht mehr wehren.

Auf die rhetorische Frage von Peaches’ Vater Bob Geldof, wie diese Situation bloß zu ertragen sei, antworten die Regenbogenpsychologen: „Gar nicht. Den Verlust eines Kindes – darüber kommt man nicht hinweg. Nie.“ Allerdings macht es „Das neue Blatt“ mit erfundenen Quatschüberschriften auch nicht gerade leichter.

Moritz Tschermak schreibt für das Weblog www.topfvollgold.de, das sich mit der deutschen Regenbogenpresse befasst.

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