Medien : Peanuts

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Sie sind echte Maulhelden, die abwechselnd das Maul aufreißen und eins draufkriegen. Ihre Abenteuer finden über die Sprache statt, und deshalb sind die „Peanuts“ ideale Figuren für die Zeitung. Als Charles M. Schulz (1922 - 2000) den Cartoon 1950 erstmals vorgestellt hatte, wollten zwar nur sieben amerikanische Blätter die Geschichten der „Peanuts“ drucken, doch am Schluss waren 2600 Zeitungen in 75 Ländern tägliche „Peanuts“-Abonnenten. Was beweist, dass man mit dem Leugnen der geringsten Chance auf Erfolg durchaus reich und berühmt werden kann.

Der neurotische Pechvogel Charlie Brown und seine nicht minder verhaltensgestörten Freunde passten nie wirklich auf den Bildschirm. Ihre Charaktere sind statisch, die zeitlose Handlung verweigert jegliche Entwicklung. Dramaturgisch gesehen sind die „Peanuts“ also eine Katastrophe. Von Snoopy, dem klaustrophobischen, sprachlosen Hund, der einen flugunfähigen Vogel ns Woodstock besitzt, ist noch am ehesten Action zu erwarten – allerdings bloß in der Fantasie.

Lucy, Schroeder, Patty und Linus bewegen sich in einem infantilen Kreislauf von Anbiederung und Zurückweisung, der sich vom Liebesthema längst abgelöst hat, während das kleine rothaarige Mädchen mit Hilfe von sperriger Passivität die Fäden zieht. Die Vergeblichkeit, die Scham und das Verschwinden sind die Hauptmotive der „Peanuts“.

Erst als bewegliche Bilderfolge enthüllen die „Peanuts“ eine subtilere Schicht ihrer Komik: Diese dicken, ungelenkigen Wasserköpfe haben der Medienkritik auf der Mattscheibe das Laufen gelehrt. Ein vergnügliches Beispiel: „Das Leben ist ein Mysterium, Charlie Brown. Ich suche die Antwort“, sagt Lucy. Darauf Charlie: „Seid nett zueinander, nicht rauchen, esst maßvoll, fahrt vorsichtig, geht pünktlich zur Wahl, vermeidet Sonnenbrand, schickt Weihnachtspost rechtzeitig.“ Lucy: „Halt schön still, damit ich dir eins aufs Maul geben kann.“ Uta-Maria Heim

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