Medien : Pearl Harbor: Überwältigend

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Das neue Heft der Zeitschrift "National Geographic" - deutsche Ausgabe - enthält ein "Special" über den Kriegsfilm "Pearl Harbor". Der Sound klingt so: "Die aufwendigste Produktion aller Zeiten ... Die Spezialeffekte werden alles übertreffen, was man im Kino bisher gesehen hat ... Pearl Harbor wird das überwältigende Filmereignis des Sommers ... eine Geschichte auf Leben und Tod... Ab 7. Juni im Kino."

Es handelt sich um den auf nicht weniger als vier Seiten ausgebreiteten Text des Presseheftes, mit anderen Worten: um einen Werbetext aus dem Disney-Konzern, der für "National Geographic" lediglich gekürzt und leicht - ganz leicht! - überarbeitet wurde. Im Stil von "National Geographic" gesagt: Dieser Schleichwerbungseffekt übertrifft alles, was man in sich seriös nennenden Zeitschriften bisher gesehen hat ... das überwältigende Schleichwerbungsereignis des Sommers ... eine Geschichte, die Leser für dumm verkauft und den Verteidigern von Restbeständen journalistischer Ethik die Zornesader schwellen lässt. Weil es aber hin und wieder eine höhere Gerechtigkeit gibt, wird "Pearl Harbor" von nahezu sämtlichen Filmkritikern beider Hemisphären für einen grottenschlechten und geradezu überflüssigen Film gehalten. In seinem Editorial preist Chefredakteur Klaus Liedtke übrigens den "Patriotismus", der "normaler Bestandteil der amerikanischen Alltagskultur" ist: "Für ein Volk ist Patriotismus dasselbe wie Selbstwertgefühl für den Einzelnen, eine psychische Notwendigkeit." Für das deutsche Selbstwertgefühl und den deutschen Patriotismus ist es trotzdem besser, wenn eine gute deutsche Zeitschrift ihre Texte selber schreibt, Herr Liedtke.

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