People-Magazin : Ein-Euro-Glamour

Das neue People-Magazin „OK!“ will die schöne Seite der Stars zeigen. Um Kunden zu locken, startet es zum Schnupperpreis von einem Euro.

Sonja Pohlmann
Gala OK Fotos: Promos
Hollywood sells. "OK!", das neue People-Magazin hat die Schauspielerin Angelina Jolie (links) auf dem Premieren-Cover, die "Gala"...Fotos: Promos

So glamourös, wie Kylie Minogue gestern Abend über den roten Teppich zur Verleihung der Goldenen Kamera geschritten ist, dürfte sie heute Morgen beim Aufwachen nicht mehr ausgesehen haben – gegen Augenringe, Pickel und fahle Haut sind auch Stars wie die australische Sängerin nach einer durchfeierten Nacht vermutlich nicht gefeit. Eigentlich ganz beruhigend. Doch „OK!“ will das lieber nicht unbedingt kundtun. „Wir wollen die Stars wie Stars behandeln und nicht niedermachen“, gibt Chefredakteur Klaus Dahm für Deutschlands neuestes People-Magazin vor. Keine Fotos von Promis mit rot unterlaufenen Augen oder in einer Lache von Erbrochenem liegend, heißt das für ihn. Stattdessen opulente Fotos und spannende Geschichten aus dem Leben von hübsch zurechtgemachten Stars und Sternchen. Sein Credo: „Wir wollen Deutschland glamouröser machen.“ Und Blättern wie „Bunte“, „Gala“, „Intouch“ und „Vanity Fair“ Konkurrenz.

Heute erscheint „OK!“ zum ersten Mal, 600 000 Exemplare sind gedruckt, mindestens 160 000 Hefte sollen verkauft werden – für jeweils einen Euro.

Mit diesem Kampfpreis und einem noch lauteren Versprechen ist vor genau einem Jahr auch „Vanity Fair“ an den Start gegangen. Der Zeitschrift gelang es bisher nicht, den Magazinmarkt wie geplant kräftig aufzumischen. Doch „OK!“-Chefredakteur Dahm und Lars Rose, der das Blatt in seinem Klambt-Verlag herausgibt, sind überzeugt, mit ihrem „OK!“ eine Marktlücke zu füllen: Während sich die „Bunte“ eher um deutsche Promis wie Uschi Glas und Geschichten aus dem Adel kümmere und vor allem bei Leserinnen um die 50 erfolgreich sei, biete „Intouch“ einen voyeuristischen Blick auf Stars und Sternchen, der eher jüngere Leserinnen anziehe. Nach Dahms Ansicht hat einzig die „Gala“ glamouröse Geschichten mit einem internationalen Fokus – vor allem mit ihr will „OK!“ nun in den Wettbewerb treten.

Dafür soll auf das internationale Netzwerk von „OK!“ zurückgegriffen werden. Denn die deutsche Version von „OK!“ ist ein Joint Venture des Klambt-Verlags mit dem englischen Verlag Northern & Shell. Dort wurde das Magazin 1996 gestartet, inzwischen ist es in 14 Ländern vertreten, bald sollen es 20 sein. Wenn die amerikanische Ausgabe nun eine exklusive Geschichte über eine Promi-Hochzeit in Hollywood hat, kann diese auch von der deutschen „OK!“ gedruckt werden. „Einzelkämpfer wie die ,Gala‘ haben es schwerer, an solche Storys zu kommen“, sagt Dahm. Er war vorher Chefredakteur vom Monatsmagazin „Celebrity“, außerdem leitete er die „Petra“ und die „Max“. Mit einem Redaktionsteam von rund 30 Mitarbeitern produziert er in Hamburg nun wöchentlich „OK!“. Und mutmaßt gleich in der ersten Ausgabe über eine Schwangerschaft von Angelina Jolie. Zwar will Dahm auf Paparazzibilder nicht verzichten, aber grundsätzlich sollen die „OK!“-Artikel in einer „mondänen Verpackung“ präsentiert werden. „Das Magazin muss schließlich so gut aussehen, dass die Stars Lust haben, mit uns zu reden“, betont der Chefredakteur.

Plaudernde Stars gibt es genug, denn für sie gilt: In ist, wer drin ist. Deshalb breiten sie in den bunten Blättern auch private Details aus ihrem Leben aus, die normale Menschen niemals ihrem Nachbarn anvertrauen würden. Fraglich ist nur, ob die Leser noch ein zusätzliches Blatt mit bunten Geschichten wollen. Dahm ist zuversichtlich: „Deutschland hat im Vergleich zu England und Amerika einen Nachholbedarf im Bereich der Celebrity-Magazine.“

Tatsächlich wächst der Markt der People-Blätter kontinuierlich. Bis auf die „Bunte“ haben „Intouch“, „Gala“ und das ebenfalls im Klambt-Verlag erscheinende „In – das Star & Style“-Magazin ihre verkaufte Auflage im vierten Quartal 2007 im Vorjahresvergleich steigern können. Im Klambt-Verlag ist man sich sicher, dass deshalb auch „In“ und „OK!“ erfolgreich nebeneinander bestehen können. „Menschen haben das archaische Bedürfnis, sich mit Promis zu beschäftigen“, sagt Dahm. Die Erlebnisse, Sorgen und Nöte der Prominenten würden die Leser vom eigenen Alltag ablenken.

Viele Deutsche hätten allerdings eine besondere Vorliebe: „Sie mögen es, Stars straucheln zu sehen.“ Dahm will mit „OK!“ deshalb hierzulande ein Umdenken bewirken. „Wir wollen zeigen, dass auch die glamouröse Seite faszinierend ist.“ Eine ungeschminkte Kylie Minogue gehört eher nicht dazu.

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