People-Magazine : Träumt weiter!

Die Sehnsucht nach Geschichten von Stars und Sternchen wächst. Darauf bauen die neuen Magazine „Grazia“ und „Gala Wedding“.

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Glamourös. Auf die Kombination von „News & Shoes“ setzt die „Grazia“, die „Gala Wedding“ will den Markt der Hochzeitsmagazine...

Touristen sonnen sich am Strand und schlürfen Coladas, während nur wenige Kilometer entfernt Massengräber ausgehoben werden und Menschen an Hunger sterben – Alltag in Labadee, einem Hafen für Kreuzfahrtschiffe auf Haiti. Darf man das?, fragt das Magazin „Grazia“ angesichts des Elends nach dem Erdbeben, ein paar Seiten später im Heft wird Mode im Marine-Look gezeigt, dazu Accessoires und Schuhe.

Haiti neben High Heels. Funktioniert das?, fragt sich die Zeitschriftenbranche angesichts der ungewöhnlichen Heftmischung, die in der Probeausgabe von „Grazia“ präsentiert wurde. An diesem Donnerstag liegt das Magazin nun erstmals am Kiosk. „News & Shoes“, Nachrichten und Schuhe, heißt das Konzept der Zeitschrift, das nach Ansicht von „Grazia“-Chefredakteur Klaus Dahm bisher kein anderes Magazin in Deutschland bietet. In 15 anderen Ländern ist der Titel, der in Italien gegründet wurde, bereits erfolgreich. Jetzt will der Klambt-Verlag aus Baden-Baden mit „Grazia“ den Markt hierzulande erobern – die Aussichten auf Erfolg sind gut. Denn während viele Magazine um ihre Leser kämpfen, scheint das Segment der People-Magazine noch nicht gesättigt zu sein.

Schon vor zwei Jahren hat Klambt mit „Ok!“ ein international erfolgreiches People-Blatt nach Deutschland geholt, seit 2005 bringt der Verlag „In – das Star- und Stylemagazin“ heraus. Beide Titel gewinnen kontinuierlich Leserinnen hinzu. Die Sehnsucht nach Nachrichten und Bildern aus dem Leben der Stars und Sternchen wächst weiter, sagt Klaus Dahm: „Schon in der Antike haben Menschen Helden als Vorbilder gesucht und verehrt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“Denn das vermeintlich aufregende Leben der Promis verspreche Abwechslung vom eigenen Alltag.

Dass Neueinsteigerin „Grazia“ im eigenen Haus zur Konkurrentin wird, glaubt Dahm aber nicht. „Ok!“ konzentriere sich eher auf internationale Stars, „In“ auf deutsche Sternchen, bei „Grazia“ würden weniger die Celebritys, sondern eher die Mode im Vordergrund stehen.

Wirklich neu ist die Mischung Hollywood und High-Fashion nicht, die „Instyle“ aus dem Burda-Verlag widmet sich ebenfalls diesen Themen, allerdings monatlich. „Grazia“ soll wöchentlich am Kiosk liegen, will sich zudem nicht ausschließlich von einer hedonistischen Seite zeigen, sondern Schicksalsgeschichten und Reportagen bringen. Auch die deutsche Ausgabe der „Vanity Fair“ hatte versucht, Stars, aktuelles Zeitgeschehen und Mode zusammenzubringen, scheiterte aber auch daran, dass gleichzeitig Männer und Frauen, junge und alte Leser glücklich gemacht werden sollten. „Grazia“ visiert dagegen ausschließlich Leserinnen an, im Alter zwischen 30 und 40.

Doch ist sie nicht der einzige neue Titel, der um diese Zielgruppe kämpft. Vom heutigen Donnerstag an liegt mit „Gala Wedding“ ein weiteres neues Magazin am Kiosk, das sich ebenfalls mit Stars und Mode beschäftigt – allerdings mit Brautmode. Nach „Gala Style“ und „Gala Men“ ist „Gala Wedding“ bereits der dritte Spin-off des People-Magazins „Gala“ aus dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der im People-Bereich ebenfalls noch Potenzial wittert. Hochzeiten von Stars sind dafür besonders gut geeignet: Sie versprechen große Emotionen, glamouröse Bilder – die scheinbar perfekte Traumwelt eben.

Während in den USA, England und Spanien die Kioske voll sind mit Zeitschriften, die sich dem „Traum in Weiß“ widmen, ist der Markt in Deutschland bisher überschaubar. „Aber das Bedürfnis nach Romantik wächst, große Hochzeiten sind wieder in und die künftigen Bräute suchen nach Inspirationen“, sagt Astrid Saß, stellvertretende Chefredakteurin von „Gala“ und Redaktionsleiterin von „Gala Wedding“. Doch dürfte es das Budget vieler Paare sprengen, wie Madonna bei ihrer Hochzeit für 200 000 Euro Champagner ausschenken zu lassen oder wie Claudia Schiffer ein Designer-Kleid im Wert von 160 000 Euro zu tragen. Deshalb sollen in „Gala Wedding“ zwar die Hollywood-Hochzeiten gefeiert, daneben aber Anregungen fürs wahre Leben gegeben werden, beispielsweise mit Tipps zu Kleidern, Ringen und dazu, wie man kurz vor dem großen Tag die Nerven behält.

Ob „Gala Wedding“ regelmäßig erscheint, wird sich je nach Verkaufserfolg entscheiden, 20  000 bis 30 000 verkaufte Exemplare peilt Saß an. Ein Trost für die Bräute ohne Hollywood-Budget: Champagner allein macht nicht glücklich, Madonna ist längst geschieden.

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