Personalien : Alle für einen

Programmdirektor Thomas Bellut steht vor der Wahl zum ZDF-Intendanten – und vor schwierigen Aufgaben.

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Ein Mann, ein Sender. Thomas Bellut, 56, arbeitet seit 1984 für das ZDF. Foto: ZDF
Ein Mann, ein Sender. Thomas Bellut, 56, arbeitet seit 1984 für das ZDF. Foto: ZDFFoto: astrid schmidhuber

Das alles wollen die ZDF-Fernsehräte nicht. Sie wollen keine Qual der Wahl, keine Wahl mit Qual, sie wollen den Programmdirektor Thomas Bellut am Freitag mit mehr als drei Fünftel der 77 Stimmen im ersten Wahlgang zum neuen Intendanten bestimmen. Bellut würde im März Markus Schächter ablösen.

Die Eile und die Einstimmigkeit des Gremiums erklären sich aus zwei desaströsen Vorgängen. Der Wahl von Schächter 2002 war ein monatelanges Gerangel der „schwarzen“ und der „roten“ Freundeskreise inklusive mehrerer Abstimmungen ohne Ergebnis vorausgegangen. Am Ende war es eine parteipolitische Lachnummer, was Fernsehrat und Verwaltungsrat nicht an der Fortsetzung gehindert hat. Auch Belluts Wahl zum Programmchef war eine Pokerpartie, gesteigert vor rund zwei Jahren zur unwürdigen Machtfrage, als Hessens damaliger Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender per konservativer Mehrheit im Verwaltungsrat um die Vertragsverlängerung bringen ließ.

Jetzt, bei der Wahl von Thomas Bellut, soll Einkehr gehalten werden. Kurt Beck, rheinland-pfälzischer SPD-Ministerpräsident und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates, sagt, „Ich erwarte, dass Thomas Bellut mit großer Mehrheit gewählt wird – im ersten Wahlgang. So eine politisch motivierte Auseinandersetzung wie bei der Intendantenwahl vor zehn Jahren wird es sicherlich nicht geben.“ Die Diskussionen in den ZDF-Gremien seien heute weniger ideologisch und stärker ergebnisorientiert .“ Der Fernsehratsvorsitzende, der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, betont: „Ich wollte die Wahl nur dann auf die Tagesordnung nehmen, wenn ich davon überzeugt bin, dass auch die erforderliche Mehrheit erreicht wird. Davon gehe ich nun aus.“

Neben dem einzigen offiziellen Kandidaten gibt es mit Claudius Seidl, Feuilleton-Chef der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, noch einen inoffiziellen Bewerber. Was als Glosse in der „FAS“ und darin wieder als Kritik am ZDF begann, findet heute bei Facebook rund 2500 Unterstützer. Kein Mitglied im Fernsehrat hat die Bewerbung bislang aufgegriffen. Seidls feuilletonistisches Interesse an der ZDF-Spitzenposition wird eine Fußnote bleiben.

Also Thomas Bellut, also eine Inhouse-Lösung, also die Fortführung der Tradition, dass der Programmdirektor Intendant wird – Bellut, Schächter, Stolte. Die Aufgabe des künftigen Senderchefs wird schwierig. Markus Schächter hat aus dem Ein-Kanal-Sender ZDF mit ZDFneo und ZDFkultur eine Senderfamilie gemacht, hier kann getestet, verschoben, junges Publikum gewonnen werden. Das braucht Zeit, die Bellut vielleicht gar nicht hat. Was ansteht, ist die Ablösung des Fernseh- durch das Internetzeitalter. Sender, Programme, Sendungen – was kann, was wird da als Angebot und als Anstaltsstruktur noch Bestand haben können? Ein Internetsender ZDF wird von der privaten Konkurrenz, von den Verlegern extrem kritisch beäugt werden.

Vor allen Strukturfragen interessiert das große Publikum das Programm. Der Zeitpunkt von Schächters Abgang und Belluts Aufstieg korrespondiert mit der Frage aller Programmfragen: Was wird aus „Wetten, dass...?“, was aus Thomas Gottschalk? Bellut, der Programmdirektor, hatte von Plan A, Plan B und Plan C gesprochen. Was, wenn der gewählte Intendant eingestehen müsste: A, B, C gibt es nicht mehr, jetzt gilt D wie Desaster – Gottschalk geht zur ARD.

Belluts Kür löst gleich die nächste Personalie aus: Wer wird neuer Programmchef? Die Blicke richten sich auf Belluts Umfeld, auf Peter Arens, Leiter der Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft.

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