Philipp Schindler beim Mediengipfel : Google liebt Deutschland und Berlin

Ob das alles tatsächlich so harmlos ist? Google-Nordeuropachef Philipp Schindler sprach beim 29. Mediengipfel über Strategien des Internetunternehmens - und gab dabei Einblicke in dessen Selbstsicht.

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Entspannt in die Allwissenheit: Google-Nordeuropachef Philipp Schindler.
Entspannt in die Allwissenheit: Google-Nordeuropachef Philipp Schindler.Foto: dpa

„Sie können jederzeit gehen“, das war - überspitzt formuliert - die Botschaft, mit der Google-Nordeuropachef Philipp Schindler am Montagabend beim 29. Mediengipfel von media.connect Brandenburg und dem Medienboard Berlin-Brandenburg den wenigen kritischen Fragen auswich. „Wettbewerber.de ist immer nur einen Klick entfernt“, sagte Schindler im Axica-Kongresszentrum am Pariser Platz metaphorisch. Zuvor hatte Interviewer Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de, nach dem allzu großen Wissen – „Google weiß mehr über Menschen als deren Partner“ – des Konzerns über die Nutzer seiner Dienste befragt.

Generell gab Schindler zwischen allen Artigkeiten eine Selbstsicht des Unternehmens zu erkennen, die durchaus erstaunlich ist: Dabei irritierte weniger der inzwischen altbekannte Google-Idealismus, demzufolge man primär angetreten sei, der Welt das Wissen der Welt verfügbar zu machen. Vielmehr war es die weidliche Sorglosigkeit gegenüber der dazu notwendigen Universalstruktur, die zumindest auf einige Anwesende etwas verstörend gewirkt haben dürfte. Ob Google nicht für ein Medienunternehmen inzwischen als Wächter über alle Informationen eine schockierende Marktmacht habe? „Wir sind kein Medienunternehmen, unsere Kernkompetenz ist die Suche.“ Nur, um diese zu optimieren, speichere das Unternehmen so viele Daten. Doch auch die seien – gesetzt dem Fall, der Kunde wolle das – für dessen Persönlichkeit irrelevant: „Denken Sie immer daran: Wir wissen nicht, wer Sie sind. Theoretisch können Sie ihr gesamtes Google-Leben als Micky Maus25 verbringen.“

Ob das alles tatsächlich so harmlos ist? Geht es nach Google, wird dies bald ein Forschungszentrum zur sozialen Auswirkung von Online-Kommunikation im Raum Berlin-Brandenburg erforschen. Mit Hilfe einer millionenschweren Anschubfinanzierung des Konzerns soll das Institut noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen, sagte Philipp Schindler. Denn auch das stellte er, aller spezifisch deutschen Gegenwehr gegen den Street-View-Dienst zum Trotz, fest: „Google liebt Deutschland.“ Zumindest an diesem Abend durfte er mit Gegenliebe rechnen.

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