Medien : Pimp My Programm

Viacom richtet seine vier Kanäle neu aus – MTV2 Pop wird zum Kindersender

Barbara Nolte

Catherine Mühlemann verkörpert wie niemand sonst, wie sich das Musikfernsehen verändert hat. Die MTV-Chefin hat mit ihrem Sender erst ihren Konkurrenten Viva bei den Quoten überholt und sich ihn im vergangenen Juni schließlich einverleibt. Gestern lud sie Journalisten in die Berliner MTV-Zentrale ein, um zu erklären, was sie mit den vier Kanälen MTV, MTV2 Pop, Viva und Viva plus vorhat. Mühlemann warf Positionierungsgrafiken an die Wand, sprach von „Unique Brands“, um zu sagen, dass sich die Sender stärker voneinander unterscheiden sollten. Bezeichnend ist vielleicht auch, dass sie erst die Vermarktungsabteilung vorstellte, bevor sie zum Programm kam.

In seinen Anfängen gab man sich in den Musikkanälen chaotisch und unangepasst. Catherine Mühlemann, die neue Herrscherin über das Musikfernsehen in Deutschland, verbrämt nicht einmal mehr, um was es wirklich geht: Geld verdienen.

Der Konzern Viacom, der auch Mühlemanns Arbeitgeber ist, erwartet von jedem der Kanäle in diesem Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum. Der Problemfall ist Viva, das im vergangenen Jahr tief in den roten Zahlen steckte. Bereits wenige Monate nach der Übernahme verordnete Catherine Mühlemann ihrem neuen Kanal aus Köln, ein weiblicheres, jüngeres und populäreres Programm zu machen. Komplementär zu MTV, das männlicher und kantiger werden soll. Viva bekam alle Chart-Shows von MTV. Sie laufen schon seit Januar täglich um 20 Uhr. Die Programmreform ist ein schleichender Prozess. Als zappender Zuschauer bemerkt man sie gar nicht. Clips und Klingelton-Werbung dominieren nach wie vor die Programme. Sarah Kuttner sieht man dafür seltener; ihre als tägliche Show geplante Sendung läuft nur noch wöchentlich, wobei es auch bleiben soll. Charlotte Roche ist ganz verschwunden, seitdem sie im November in Streik getreten war. „Wir sprechen schon mit Charlotte“, sagt Programmchef Elmar Giglinger. „Sie ist jederzeit willkommen im Programm.“

Geplant ist für Viva außerdem eine Karaoke-Show, die an die ersten Runden von „Deutschland sucht den Superstar“ erinnert. Eine neue so genannte Dating-Show sieht wie eine Mischung aus „Herzblatt“ und der RTL-Sendung „Bachelor“ aus. Viva, das einst von Catherine Mühlemann persönlich zur Strecke gebracht wurde, darf auch wieder wachsen: „Viva hat großes Potenzial. Ich könnte mir vorstellen, dass der Kanal künftig wieder marktführend sein wird.“

Catherine Mühlemann hatte unter den vielen Zahlen, die sie den Journalisten zeigte, auch einen Beweis dabei, dass ihre Strategie aufgeht. Viva hat im ersten Quartal dieses Jahres zwölf Prozent Zuschauer gewonnen, MTV immerhin zehn. Nur MTV2 Pop stagnierte – und wird zur Strafe zum Kinderkanal.

Das ist die größte Änderung im Viacom-Portfolio: Vom 12. September an startet auf der MTV2-Pop-Frequenz „Nickelodeon“, abgekürzt „Nick“. Vor acht Jahren hatte der Viacom-Konzern schon einmal versucht, den weltweit erfolgreichen Kinderkanal nach Deutschland zu exportieren. Und war gescheitert. Diesmal sollen tagsüber vor allem amerikanische Cartoons für Kinder ab drei Jahren laufen, abends amerikanische Serien für Erwachsene. „Hauptkonkurrent“, sagt Mühlemann, „ist ,Super RTL’“.

MTV, das Herzstück der Senderfamilie, verändert sich am wenigsten. Selbst Markus Kavka, der täglich Showbiz-Nachrichten präsentiert und mittlerweile doppelt so alt ist wie seine Zielgruppe, darf bleiben. Wöchentlich gibt es nun Spezialshows für Hip Hop, Rock und elektronische Musik – das Musikfernsehen will damit die Musikinteressierten zurückerobern. Erfolgreiche US-MTV-Shows werden auf Deutschland übertragen – zum Beispiel „Pimp My Fahrrad“ (Motz mir mein Fahrrad auf).

Dieses Jahr sei nur ein Übergangsjahr, sagt Programmchef Elmar Giglinger. Erst wenn die „Probleme mit den Kollegen aus Köln“ gelöst seien, gehe es wirklich los. Noch immer laufen Arbeitsgerichtsprozesse von Viva-Mitarbeitern, die sich mit ihrer Kündigung nicht abfinden. Von den 190 Viva-Festangestellten will Viacom nur ungefähr 100 behalten. Catherine Mühlemann spricht von „Bauchfett“, das der Apparat Viva angesetzt habe. Vierzig Mitarbeiter dürfen in Köln bleiben, für sechzig werden Jobs in Berlin geschaffen. Für den Sommer ist der Umzug von Köln nach Berlin geplant.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben