Medien : Pinkelskandal: Die Show geht weiter: Erneute Prinz-Attacke - "Bild" klagt

Ulrike Simon

Das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" scheint derzeit die Plattform schlechthin zu sein, wenn prominente Anzeigenkunden sicher gehen wollen, dass ihre (Werbe?-)Botschaft ankommt. So erklärt sich, dass Prinz Ernst August von Hannover am Mittwoch ebenda seinen Brief an "sehr verehrte Freunde" in Form einer Anzeige schaltete (schwarz-weiß, ganzseitig, zum Preis von 58 713 Mark und 60 Pfennigen, exklusive Mehrwertsteuer), um mal so richtig auf den Springer-Verlag im allgemeinen und "Bild" im besonderen einzuhauen.

Ob die verbale Prügel seine verehrten Freunde erreichte, ist nicht bekannt. Zumindest einer fühlte sich angesprochen: "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel. Im Feuilleton der gestrigen "FAZ" antwortete er ebenbürtig: mit einer ganzseitigen Anzeige. Beziehungsweise Gegendarstellung. Um genau zu sein, mit einer als Gegendarstellung getarnten Anzeige. So setzt man Gegendarstellungen durch, ohne Juristen zu bemühen.

Ebenfalls gestern meldete sich Ernst August erneut zu Wort. Diesmal in "Hürriyet", der größten, auch in Deutschland erscheinenden türkischen Zeitung - um sich beim türkischen Volk zu entschuldigen, nachzulesen auf der Titelseite. Auf Seite 15 folgt schließlich der aus der "FAZ" bekannte Offene Brief, wieder auf einer ganzen Seite, wenn auch mit kleinen (übersetzungsbedingten?) Änderungen. Ob Röbel auch in "Hürriyet" eine Gegendarstellung, pardon Anzeige schaltet? Immerhin beschuldigt der Prinz "Bild" erneut, ausländerfeindlich zu sein. In "Hürriyet" sogar in Form einer Tatsachenbehauptung, wie Röbel findet, nicht mehr wie in der "FAZ" nur als persönliche Meinung. Röbel leitete gestern die angekündigten juristischen Schritte ein. Er klagt auf Unterlassung der veröffentlichten Behauptungen sowie wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung

Die Zeitungen werden jedenfalls den Teufel tun, sich über die teuer bezahlten Anzeigen zu beschweren. Das galt schon 1998, als Ernst August ebenfalls via "FAZ"-Anzeige die "Bunte" attackierte. Mit der Wirkung der Anzeigen scheint er gute Erfahrungen gemacht zu haben. Sein Vorbild dürfte Günter Sachs sein, Playboy der 70er Jahre. Auch der wehrte sich mit dem Instrument eines als Anzeige deklarierten offenen Briefes gegen die Springer-Presse. So geschehen im April 1977, als sich Sachs über die "Bild"-Berichterstattung zum Tod seines Bruders Ernst Wilhelm Sachs beschwerte. Günter Sachs richtete seine Zeilen an den "sehr geehrten Herrn Springer", obgleich "Sie nicht für jede Zeile Ihrer Blätter verantwortlich zu machen sind". Der Brief schloss mit dem Satz: "Herr Springer, wir sind uns selten begegnet; ich möchte Sie nie mehr wiedersehen."

Die Zeiten haben sich geändert. Sachs wählte die "Süddeutsche Zeitung" als Plattform, das Ganze war ihm auch nur eine viertel Seite wert. Für Ernst August gilt dagegen: "Bigger is Beautiful". Wahrscheinlich ist dies der Grund, weshalb er so gern die großformatige "FAZ" wählt.

Übrigens sind sich Springer und Sachs doch wieder begegnet, sieben Jahre später in Patmos, sie tranken Champagner. Nur am Rande: Der Chefredakteur, der damals die "Bild"-Zeilen zu verantworten hatte, war Günter Prinz, Vater von Matthias Prinz, seines Zeichens Rechtsanwalt. Einer seiner Mandanten: Prinz Ernst August von Hannover.

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