Medien : Planet der Frauen

Schöne Bilder, plumpe Dialoge: Pro 7 zeigt die US-Lesbenserie „The L Word“

Jeannette Krauth

Das hier soll das Methadon für „Sex and the City“-Fans sein. Zu sehen sind schöne, coole Frauen vor Palmen, in Achselshirts, nicht auf Stilettos. Der Vorspann von „The L Word – wenn Frauen Frauen lieben“ ist schnell geschnitten und hat eine wirklich gute Filmmusik. So der erste Eindruck der Pro 7-Serie, die heute anläuft. Mit dem Spruch „Same sex. Different city“ wird die Serie beworben. Nur: Die Tarnung der intelligenten Unterhaltungsserie täuscht. Sie ist bloß die Verpackung für einen Softporno – der ist allerdings aufwändig gemacht.

Die Protagonistinnen sind fünf lesbische Frauen in Los Angeles. Sie treffen sich tagsüber ständig in einem Café. Es gibt das Paar Bette und Tina. Die eine ist Karrierefrau, die andere bleibt zu Hause. Sie möchten gerne ein Kind haben (erste Szene, Folge eins, morgens im Bad: „Ja, lass uns ein Kind machen“, darauf die andere: „Wir beide machen ein Kind“, Geknutsche). Daher suchen sie sich unter ihren männlichen Bekannten einen Samenspender (vor der zehnten Minute, Folge eins: Der erste Mann befriedigt sich, zu sehen als Schattenbild. Er gluckst kehlig dabei, Bette und Tina kichern. Danach gibt er den beiden ein Plastikdöschen mit Sperma). Dann ist da noch Marina, der das Café gehört, und Dana, eine Tennisspielerin, die sich wegen ihrer Vermarktbarkeit im Sport nicht outen darf. Alice gehört noch dazu, Musikredakteurin, bisexuell, und Shane, dünn, vorgebeugt, Augen dunkel geschminkt. Sie schleppt zuhauf Mädchen ab.

Um es kurz festzuhalten: Es gibt ein traditionelles Paar, dann das öffentlichste Homo-Problem, das nämlich der Sportler, die sich nicht outen dürfen, und ein Mädchen, das funktioniert wie ein Don Juan. Klischee, Klischee, könnte man sagen. Aber es kommt noch besser. Um nämlich in dieses lesbische Leben einzuführen, gibt es ein Hetero-Paar, sie Autorin, er Schwimmtrainer, beide unglaublich gut aussehend, die neben Bette und Tina wohnen. Die Autorin namens Jenny lernt Stück für Stück die Homo-Welt kennen, erst beobachtend, irgendwann küssend. Das ist nicht unbedingt einfallsreich, aber viel schlimmer sind die plumpen Dialoge. Beispiel: Tina, der heimische Teil des Lesbenpaars, vor ihrem Haus, Rosmarin zupfend, mit Jenny. Eine Gruppe Männer, die Babys tragen, geht vorbei, Tina grüßt, Jenny guckt verwundert. „Das sind schwule Väter“, sagt Tina. „Sie treffen sich einmal die Woche drüben in einem Haus. Typisch L.A., oder?“ Darauf Jenny, verwundert, Augen groß, Mund leicht offen: „Nein, das ist nett.“

Das Ding ist: In „The L Word“ geht es wirklich um Sex. Um Körper. Nicht wie bei „Sex and the city“, wo es vor allem um Zwischenmenschliches, um Beziehung ging. Wo die Figuren komisch-traurig feststellten, dass sie die Gewohnheiten ihres angeblichen Traummannes nicht aushalten können (wie die Großstadt-Carry etwa die Blockhütte ihres Freundes hasste und vor Eichhörnchen auf den Küchentisch flüchtete); wo ein Typ völlig aus dem Spiel ist, weil er rosa Nelken schenkt.

Die Gefahr bei echten Sexbildern, bei blanken Brüsten und Männern, die sich als Scherenschnitt-Figur einen runterholen, ist: Es kommt nicht auf die Ebene, dass der Sex im Kopf passiert. Es ist und bleibt platt. Und das passiert eben auch „The L Word“. Beispiel: Eine der Hetero-Sexszenen in der ersten Folge. Sie und er auf der Coach, Hemd auf, BH noch an, sie erzählt, wie sie die lesbischen Nachbarn durch den Gartenzaun (das Voyeur-Klischee ist also auch mit drin) beobachtet hat. Er: „Und du bist sicher, sie haben es getrieben?“ Sie: „Sie haben es heftig getrieben.“ Er stöhnt, „Erzähl es mir ruhig etwas genauer.“ Sprache auf dem Niveau von teureren Pornofilmen.

Spaß macht diese Serie letztlich nur ästhetisch: In Sonne getauchte satte Farben, die richtigen Autos und schöne Körper. Das plätschert. „Sex and the City“ daran sind allenfalls die Klamotten. Es sieht toll aus, wie Jenny ein schwarzes Spitzentuch um den Kopf geschlungen hat oder einen blauen Samtblazer zu einer Bluse aus grobem weißen Stoff trägt. Das hat Stil.

In den USA hat die Serie laut Pro 7 eine „große Fangemeinde“, gerade wird die vierte Staffel gedreht. Genaue Einschaltquoten gibt der US-Kabelsender Showtime nicht heraus, aber New York war mit Jennifer Beals, der Karriere-Frau Billie, die vor langer Zeit mit „Flash Dance“ bekannt wurde, genauso tapeziert wie mit Sarah Jessica Parker von „Sex and the City“.

Vielleicht funktioniert die Serie bei uns ja auch. Weil wir alle kleine Voyeure sind. Und, garantiert: Wenn kaum ein Mann sich erbarmte, „Sex and the city“ mitzuschauen – das hier gucken Männer bestimmt gerne. Ein Tipp noch: Ton ausschalten.

„The L Word“: 22 Uhr 15, Pro 7

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