Medien : Pleiten, Pech und Vista-Pannen

Was die Servicetechniker der Berliner Firma PC-Notruf mit dem Microsoft-Betriebssystem erleben

Kurt Sagatz

Seit Anfang Februar ist Windows Vista für Privatleute auf dem Markt, die Firmenversion gibt es schon seit Ende November. Doch unter der hübschen Aero-Oberfläche können sich zahlreiche Probleme verbergen, wie die Vista-Nutzer der ersten Stunde erfahren haben. Zusammen mit den Servicetechnikern der Berliner Computerfirma PC-Notruf haben wir festgehalten, auf welche Schwierigkeiten man stoßen kann und wie man sie am besten beseitigt.

VIELE NUTZER WARTEN AB

Erfahrung Nummer eins der Experten von PC-Notruf ist: „Die überwiegende Mehrheit unser Kunden wartet mit dem Wechsel zu Vista ab, zumal Windows XP anstandslos funktioniert“, sagt Firmenchef Gerhard Ziegler. „Bislang haben wir nur wenige Anfragen, was beim Umstieg auf Vista zu beachten ist“, ergänzt der PC-Pannenhelfer. Allerdings zeige die Praxis auch, dass es oftmals wünschenswert wäre, wenn es mehr solcher Anfragen gäbe. Das betrifft vor allem die Sicherheit. Offensichtlich gilt Vista vielen Nutzern als so sicher, dass sie den Einsatz eines Virenscanners vergessen. „Ohne Virenscanner aber ist es nicht die Frage, ob Sie sich einen Virus einfangen, sondern ob es erst morgen oder schon heute geschieht“, warnt Ziegler.

AUF STANDARDTREIBER HOFFEN

Problemzone Nummer zwei sind nach wie vor fehlende Treiber. Selbst Computer namhafter Hersteller wie Sony sind betroffen: Einmal fehlte ein Vista-Treiber für die Wireless-LAN-Karte eines Vaio-Notebooks, berichtet PC-Notruf-Mitarbeiter Thomas Hamann. Immerhin erfuhren die Techniker von Sony, dass dieser Treiber demnächst nachgereicht werden soll. So lange muss der Kunde allerdings auf das Funkinternet verzichten. Etwas besser sieht es nach Hamanns Worten bei Grafikkarten und Soundkarten aus. So fehlt zwar für die bei PC-Spielern beliebte Grafikkarte Nvidia „Geforce 5900“ nach wie vor die nötige Originalsoftware des Herstellers. Aber immerhin bietet Vista einen Standardtreiber, mit denen die „Geforce“- Karten eingeschränkt funktionsfähig sind. Ähnlich könne auch bei Problemen mit Soundkarten verfahren werden. Zum Beispiel von Creative: Während es für neuere Soundkarten aus der „X-Fi“-Serie immerhin einen Beta-Treiber gibt, fehlt für die ältere „Soundblaster“-Serie selbst diese Unterstützung, so Hamann. Auch hier hilft nur der Windows-Standardtreiber. Der Nachteil: die spezielle Raumklangfunktion lässt sich nicht nachbilden. Aber auch externe Geräte verursachen nach wie vor Probleme, selbst wenn es sich um Produkte großer Hersteller wie Hewlett- Packard handelt. Für ältere Laserdrucker fehlten Originaltreiber, auch hier muss man sich mit den im Funktionsumfang eingeschränkten Standardtreibern behelfen.

ERSTE SCHRITTE NACH DEM VISTA-KAUF

Zur allerersten Aktion nach dem Auspacken und Anschließen eines neuen Vista-Rechners gehört für Thomas Hamann die Installation eines Virenscanners. Die meisten Hersteller haben ihre Programme inzwischen an Vista angepasst, das kostenlose Avira gibt es allerdings erst Ende März für das neue Windows. Im zweiten Schritt nach dem Anschluss ans Internet sollte man den PC nach Updates suchen lassen. Dazu gehört auch der erste Vista-Patch, der seit dieser Woche verfügbar ist. Er räumt mit einer Sicherheitslücke in der „malware protection engine“ auf. Dieses Programm wird von mehreren Microsoft-Sicherheitsprodukten genutzt, so auch vom „Windows Defender“. Über die Schwachstelle hätte ein Angreifer die vollständige Kontrolle über den Rechner übernehmen können. Wer das Vista-Komplettpaket „Ultimate“ nutzt, sollte danach ein Abbild des Systems, ein so genanntes Image erstellen und auf ein externes Laufwerk sichern. So kann man nach einem Komplettausfall jederzeit und ohne größeren Aufwand das System schnell wieder herstellen. Nutzer von Vista „Home Premium“ oder „Business“ müssen sich dafür ein Extraprogramm hinzukaufen. Während es das bekannte „Drive Image“ von Symantec noch nicht in einer Vista-Version gibt, arbeitet „True Image“ von Acronis mittlerweile direkt unter Windows Vista.

WAS MAN NICHT TUN SOLLTE

Ein großes Problem für Vista sind nach den Erfahrungen von PC-Notruf Programme, die nicht für das neue Windows geeignet sind. Das betrifft unter anderem Multimedia-Programme, die wie System- und Sicherheitsprogramme mitunter tief ins System eingreifen. Vor der Installation sollte man auf der Hersteller-Homepage nachsehen, ob es dort Tipps zur Installation oder Vista-Patches gibt, rät Hamann. Über support.microsoft.com kann überdies eine Liste mit Vista-kompatibler Software abgerufen werden. Zu Vorsicht warnt der Techniker beim Einsatz so genannter Tweak-Programme, mit denen erfahrene Nutzer ihre Windows-Umgebung individuell einrichten. Anders als bei Windows XP gibt es bislang noch kein Tweak-Programm von Microsoft, wohl aber von anderen Firmen wie unter www.tweakvi.com (Basisversion kostenlos). Aber: „Wer zu viele Änderungen vornimmt ohne genau zu wissen, was er da tut, wird ganz schnell ein neuer Kunde von uns“, weiß Service-Techniker Hamann.

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