"Plötzlich fett!" : Dick und treu

Sat1 erklärt in einem märchenhaften Movie Form und Funktion eines Fitness-Studios.

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Umwerfend: Nick (Sebastian Ströbel) und Eva (Diana Amft). Foto: Sat 1
Umwerfend: Nick (Sebastian Ströbel) und Eva (Diana Amft). Foto: Sat 1

Den Kapitalfehler begeht sie, als sie in einem langärmeligen Oberteil im Fitness-Studio auftaucht. Das muss man sich einmal vorstellen, das ist ja schon fast kriminell – körperverhüllende Maßnahmen an einem Ort, wo Menschen vor allem die Gelegenheit bekommen, ihre Körper gebührend zur Schau zu stellen. Aber Eva Brand (Diana Amft) möchte das nicht. Sie ist zu dick, als dass sie wohlgeformte Leibespartien präsentieren könnte, sie ist nur gekommen, weil sie in einer Tombola einen Trainingstag beim Fitness-Guru und Schönling Nick Feltus (Sebastian Ströbel) gewonnen hat.

Mit diesem Zusammentreffen von Nick und Eva kommt die märchenhafte Handlung des Films „Plötzlich fett!“ in Gang: Nick ist so herablassend zu Eva, dass sie am Abend nach dem Training weinend auf das Dach des Fitness-Centers klettert und Nick verwünscht, wobei sie in die Tiefe plumpst. Weh tut sie sich nicht, noch nicht einmal ihre Hose bekommt ein Loch ab, trotzdem ist diese mit dem Sturz untragbar geworden. Unten angekommen hat Eva Konfektionsgröße 36 und ist gertenschlank. Im Rest des Films wird sie nur noch in kniehohen Stiefeln auftreten, Nick dagegen muss Übergrößen kaufen: Evas Pfunde sind auf seinen Hüften gelandet, damit ist er Fremdkörper im Fitness-Studio.

Für das, was der Film sein will, macht „Plötzlich Fett!“ seine Sache gut. „Plötzlich Fett!“ (Regie: Holger Haase) gehört in das beliebte Genre der Verwandlungskomödie, bekanntes Vorbild ist die US-Produktion „Switch“ aus den 90ern, in der ein Chauvi nach seinem Tod als Frau zurück auf die Erde musste. Solche Filme setzen auf schnelle Lacher, in „Plötzlich Fett!“ sind manche Dialogzeilen richtig gelungen. „Ich kann meinen Schwanz nicht mehr sehen“, ruft Nick erschrocken, als er an seinem neuen Körper heruntersieht, „der ist bestimmt noch da, so was kommt nicht weg“, beruhigt ihn ein Freund. Auch der Umgang der Drehbuchautorin Sarah Schnier mit Klischees ist teilweise erfrischend: Der Psychiater, den sowohl Eva als auch Nick aufsuchen werden, weil sie sich nicht zurechtfinden im neuen Leben, trägt einen Siegelring und residiert in einem ballsaalartigen Raum mit einer üppigen weißen Couch. Teilweise saß die Autorin aber auch ärgerlichen Klischees auf. Glaubt man dem Film, sind Dicke von Natur aus liebe, aber etwas zu treuherzige Menschen, so wird Nick mit steigender Kiloanzahl zu einem knuffigen Bären.

Besonders ärgerlich ist aber das Ende. Ohne zu viel zu verraten, darf man sagen, dass sowohl Nick als auch Eva am Ende sehr ansehnliche Gestalten sind und keiner von beiden in Zukunft den Bauch einziehen muss. Ein Happy End geht beim Privatsender Sat1 anscheinend immer noch mit einem bestimmten Body Mass Index einher. Verena Friederike Hasel

„Plötzlich fett!“, Sat 1, 20 Uhr 15

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