Medien : Pokern wird olympisch

Vergabe der US-Senderechte wird auch Deutschland beeinflussen

Matthias Lohre

Olympia bewegt Milliarden Menschen und auch Dollar. Seit Donnerstag wird im schweizerischen Lausanne über die US-Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2010 und 2012 verhandelt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Statt der 1,5 Milliarden Dollar für das letzte Olympia-Paket sollen diesmal 500 Millionen Dollar mehr von den US-Networks gezahlt werden. Hat IOC-Präsident Jacques Rogge mit dieser Forderung Erfolg, könnte dies auch Folgen für den deutschen TV-Markt haben. Denn dann steht möglicherweise die komplette Neuordnung der Fernsehübertragungsrechte im Raum. Für ARD und ZDF, die die Rechte bislang in Deutschland wahrgenommen haben, ist das eine völlig neue Situation.

Nach dem Abschluss der Präsentationen im schweizerischen Lausanne prüft das IOC erst einmal die Angebote. Beim Tauziehen um die US-Fernsehrechte sind die US-Sendernetze NBC, ABC und Fox gegeneinander angetreten. Als Ergebnis des Dreikampfes erwartet das IOC eine Summe von annähernd zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) und damit eine deutliche Steigerung gegenüber den Einnahmen für die Winterspiele 2006 in Turin und 2008 in Peking. Dafür bekommt man allein bei den Sommerspielen 3800 Sendestunden. Für dieses Paket hatte NBC 1,5 Milliarden Dollar gezahlt, 613 Millionen für Turin und 894 Millionen Dollar für die Sommerspiele in Peking. Die Entscheidung über die Annahme des besten Angebotes will das IOC-Exekutivkomitee am Wochenende treffen. „Es waren exzellente Präsentationen der drei Bewerber. Es wird für uns keine leichte Aufgabe“, sagte IOC-Präsident Rogge. Mit Vancouver als Favorit für die am 2. Juli zu vergebenden Winterspiele und vor allem mit New York als Kandidat für die Sommerspiele 2012 liegen zwei Städte im Rennen, die den US-Networks hohe Einschaltquoten versprechen.

Ein Abschluss deutlich über 1,5 Milliarden Dollar würde auch Maßstäbe für die noch nicht terminierten Rechteverhandlungen mit Europa und der übrigen Welt setzen. Zwar hat die Europäische Rundfunk- Union (EBU) seit 1960 immer die Europa-Rechte der Spiele bekommen. Doch nicht nur der Streit mit dem Europäischen Gerichtshof über die angeblich monopolartige Stellung der EBU ermöglicht eine neue Rechteverteilung. Für die Olympischen Spiele in Turin und Peking hat die EBU bisher einen Paketpreis von 578 Millionen Dollar vereinbart. Vergleichsweise preiswert erhielten damit ARD und ZDF als EBU-Mitglieder die deutschen TV-Rechte. Der für den europäischen Rechtehandel zuständige deutsche IOC–Vizepräsident Thomas Bach mag aber nicht ausschließen, dass die Lizenzen künftig pro Land vergeben werden. Zu einem solchen Rechte-Tauziehen will das IOC auch private Sender einladen.

Bei der ARD hieß es zwar, das IOC wisse sehr gut, dass es in Europa keinen besseren Kooperationspartner gebe als die EBU. Aber ausschließen könne man eine Änderung nicht. Eine weitere Aufteilung nach Disziplinen hält man in ARD-Kreisen für unwahrscheinlich. Der „Olympia-Effekt“ bewirke, dass Zuschauer auch Randsportarten wie Curling schauten, besonders bei deutscher Beteiligung. Es könne also nicht im Interesse des IOC sein, dass sich Sender die Übertragungsrechte an besonders attraktiven Sportarten wie Leichtathletik herauspickten.

Doch schon vor Wochen sagte Bach in einem Zeitungsinterview, das IOC sei „offen nach allen Seiten“. Eurosport, Canal Plus, EBU und RTL stellten ihre Konzepte vor. RTL-Informationschef Hans Mahr war persönlich beim IOC, um das Sendekonzept seines Hauses für die Spiele vorzustellen. Wichtig ist Bach auch, „dass Olympia sich nicht nur auf 16 Tage alle zwei Jahre beschränkt, sondern auch zwischendurch Thema ist. Außerdem zählt die Qualität. Und RTL hat zu allen diesen Punkten ein überzeugendes Konzept vorgelegt“, sagte er im „FTD“-Interview.

Auch der PayTV-Sender Premiere zeigt Interesse. Man könne sich gut vorstellen, am Rechtepoker für die Olympischen Spiele 2010 und 2012 teilzunehmen, hieß es. Bisher gebe es aber keine konkreten Verhandlungen. Eine Kooperation mit anderen Sendern betrachten die Münchner aber eher skeptisch.

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