Medien : Politik dominiert Nachrichten von ARD und ZDF

Joachim Huber

Dieses Ergebnis wird von ARD und ZDF gerne herumgereicht. Nach den Zahlen, wie sie das unabhängige Internet-Portal www.politik-digital.de ermittelt hat, sind die Nachrichtensendungen der beiden öffentlich-rechtlichen Sender auch 2008 „am politischsten“ gewesen. Die „Tagesschau“ um 20 Uhr kommt demnach auf einen Politikanteil von 48 Prozent im Jahresdurchschnitt, das entspricht sieben Minuten bei 15 Minuten Sendelänge, das „heute-journal“ des ZDF hält bei 44 Prozent (elf Minuten), es folgen die „Tagesthemen“ (40 Prozent/ (zehn Minuten), „heute“ (38 Prozent/sieben Minuten). „RTL aktuell“ liegt bei 18 Prozent (vier Minuten), die „Sat 1 Nachrichten“ kommen auf 27 Prozent Politikanteil.

Sortiert man die Nachrichten nach Themen, so war die globale Finanz- und Wirtschaftskrise das mit Abstand am intensivsten behandelte Sujet 2008. Auf Platz zwei folgt die US-Präsidentenwahl vor den Olympischen Spielen in Peking. Zu den Top-10-Themen gehörten auch die Führungsquerelen in der SPD, die FußballEM, der Kaukasus-Konflikt sowie die Landtagswahlen in Hessen und Bayern. Bei „RTL aktuell“ und den „Sat 1 Nachrichten“ tauchen bunte Themen in der Topliste auf, darunter Eisbär „Flocke“ und der Mordfall „Michele“.

In allen untersuchten Nachrichtensendungen lag der Wirtschaftsanteil rund drei bis vier Prozent höher als im Vorjahr. Den Verantwortlichen ist wohl klar, dass darauf mit Nachhaltigkeit reagiert werden muss. Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur, sagt in der am Donnerstag erscheinenden „Zeit“: „Wirtschaft hieß bei uns lange Zeit nur Börse, ein Reflex auf das Schnäppchendenken im Land. Aber jetzt passiert ja sehr Grundsätzliches auf der Welt, und wir werden unser Programm aufs Wesentliche konzentrieren.“ WDR-Intendantin Monika Piel rückt gar vom Ziel der Marktführerschaft des Ersten ab. Der „Zeit“ sagte sie, „ich könnte auch gut damit leben, wenn das Erste bei den Marktanteilen auf Platz zwei oder drei stehen würde“.

Sind das bloße Lippenbekenntnisse oder deutet sich da wirklich ein Richtungswechsel an? Das ZDF jedenfalls, im Januar die Nummer eins bei den Zuschauern, hält Kurs. Das zeitkritische Wochenmagazin „Frontal“ wird seit dem 21. Januar konsequent von den Quotenbringern Fußball und Karneval verdrängt. Joachim Huber

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