Medien : Politik Goes Pop: Ally McBeal, MdB

Joachim Huber

Politik Goes Pop. Also übernimmt ein Bundestagsabgeordneter die Schirmherrschaft für die Preview einer neuen Staffel der Fernsehserie "Ally McBeal". Hubert Hüppe, für die CDU im Wahlkreis Unna-Hamm gewählt, hat dem Fernsehsender Vox bei der Bundestagsverwaltung das Entree in das Dachgarten-Restaurant im Reichstag verschafft. Für den Politiker wird sich der Dienstagabend lohnen.

Hüppe, der als Drogenbeauftragter und Bioethik-Experte seiner Partei noch nicht all zu große Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, gibt Interview auf Interview. Während der Journalist Henryk M. Broder beharrlich wissen möchte, welchen "Libanesen" der Drogenbeautragte empfehlen könne, testen andere Journalisten Hüppes "Ally McBeal"-Fachwissen. Das ist, wie sich rasch herausstellt, ein wenig dürftig. Der CDU-Mann kennt zum Beispiel das Lieblingsgetränk der Bostoner Serien-Anwältin nicht. Dennoch behauptet er wacker, kaum eine Folge der US-Produktion auszulassen - "um Spaß zu haben wie andere Abgeordnete auch". Und in der Werbepause schalte er zum Kulturkanal Arte um.

Aus dem anfänglichen Party-Gedanken sei dann mit dem Privatsender der Gedanke einer unabhängigen, parteiübergreifenden Veranstaltung im Bundestag entwickelt worden. Hüppe beeilt sich zu versichern, dass dieser Fernsehabend weder mit einer Plenums- noch mit irgendwelchen Ausschusssitzungen kollidiere. MdBs sind fleißige Volksvertreter und erst in zweiter Linie "Ally McBeal"-Fans. Trotzdem, im Pulk der Referenten wird ernsthaft die Frage diskutiert, ob mit einem solchen "Medienspektakel" nicht "richtige Politik" transportiert werden könnte. Der Andrang sei doch gewaltig.

Etwa 80 Abgeordnete hatten sich angemeldet, rund drei Dutzend "McBealisten" sind mit Referenten, Zuarbeitern und Sekretären gekommen. Darunter Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin, die in "der hübschen und jungen Anwältin ein Modell für die Justizreform" sieht. Diesen Satz wird die SPD-Politikerin noch in die zahlreiche Mikrofone sagen, so dunkel sein Sinn auch bleiben mag. Monika Griefahn, sie leitet im sozialdemokratischen Auftrag den Bundestags-Ausschuss Kultur und Medien, soll laut ihrer Referentin behauptet haben, "wir wollen doch alle mal wie Ally McBeal unsere Launen ausleben". In der kolportierten Übersetzung Tita von Hardenbergs, die den Abend für ihre "Polylux"-Sendung nutzen will, lautet das Statement: "Wir wollen alle mal Zicke sein". Den kürzesten Auftritt absolviert CDU-Chefin Angela Merkel. Sie kommt, sieht und verschwindet. Der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer erklärt: "Bei all den Einladungen, die man bekommt, kann man den Gegenstand des Termins nicht immer wissen".

Richtig viel Zeit mitgebracht hat Claudia Roth, Sprecherin des Bundesvorstands der Bündnisgrünen. Nein, sagt sie, weder ihre Partei noch der Deutsche Bundestag würden wie die chaotische Kanzlei "Fish & Cage" mit all ihren neurotischen Anwälten funktionieren. Ein Anonymus aus der Bundestagsverwaltung wird Roth nachher im kleinen Kreis widersprechen: "Das Parlament funktioniert nach dem Arche-Noah-Prinzip: Von jeder Störung ist eine dabei". In einer Sache liegt der Parlaments-Mitarbeiter aber doch auf einer Linie mit der Grünen-Politikerin: Ihre Aussage, dass das Hohe Haus niemals erörtert habe, Unisex-Toiletten wie in der Anwaltskanzlei einzubauen, kann er nur bestätigen. Und dann ist da noch etwas: Wie viele andere Parlaments-Kollegen auch, schätzt es Claudia Roth, dass die Serien-Anwältin mit ihren Partnern und Mandanten jeden Tag in der Bar ausklingen lässt und zu einem versöhnlichen Ende bringt. "Außerdem tanzt sie gerne, und sie würde niemals FDP wählen." Zur Lösung der fortgesetzten Beziehungsprobleme empfiehlt Roth Frau McBeal ihren Parteikollegen Rezzo Schlauch, "der ist Jurist und Hedonist". Oder doch lieber Jürgen Trittin? Immerhin "ein schöner Mann".

Je länger der Abend dauert, desto bedrängender werden die Nachrichten von der öffentlichen Ally McBeal-Party in der Diskothek "Blu" am Potsdamer Platz. Gewaltige Warteschlangen hätten sich aufgebaut. Das schreckt nicht wenige Parlamentarier vom Gang ins "Blu" ab.

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