Politik : Wird AFP zur Staatsagentur?

Frankreich beteiligt sich mit fast hundert Prozent. Gewerkschaften kritisieren die Reform.

Das Schild in der Empfangshalle der französischen Nachrichtenagentur AFP am Pariser Place de la Bourse ist nicht zu übersehen: Die AFP darf unter keinen Umständen unter die Kontrolle von ideologischen, politischen oder wirtschaftlichen Gruppierungen geraten, steht dort in Artikel 2 des Redaktionsstatuts geschrieben. Das wird auch künftig so bleiben, versichert die AFP – obwohl sie in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden soll, deren Anteile dann zu fast 100 Prozent von öffentlichen Banken oder einer staatlichen Beteiligungsgesellschaft gehalten werden.

Grund für die Reform: Die AFP will sich weltweit multimedial ausrichten. Doch in ihrer bisherigen Rechtsform als öffentlich-rechtliche Gesellschaft fehle ihr das nötige Eigenkapital für Investitionen, auch Kredite aufzunehmen sei so bisher nicht ausreichend möglich gewesen, sagt Clemens Wortmann, Geschäftsführer von AFP-Deutschland.

Auf 65 Millionen Euro wird der Investitionsbedarf geschätzt, etwa 40 bis 45 Millionen sollen aus öffentlichen Kapitaleinlagen kommen, der Rest durch Kredite. Für ein multimediales Content-Management-System werden noch einmal 30 Millionen Euro gebraucht, von denen der Staat 20 Millionen Euro, die AFP zehn Millionen Euro aufbringen will. 2008 hatte die AFP einen Umsatz von 270,9 Millionen Euro gemacht, bis 2013 soll er auch durch Zukäufe um 90 Millionen Euro steigen, der Staatsanteil im Budget soll bis dahin von mehr als 40 Prozent auf 30 Prozent gesunken sein.

Gewerkschaften kritisieren die Reform. So fürchtet die CGT das „Ende der Unabhängigkeit“ der AFP. Doch AFP-Chef Pierre Louette hält mit dem Hinweis auf die britische BBC dagegen: Die Gleichung „viel Staatsgeld bedeutet viel Staatseinfluss“ gehe nicht auf. Ende 2009 soll die Reform vom Parlament verabschiedet werden, um im Frühjahr 2010 in Kraft zu treten. sop/dpa

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