Polylux : Sexy-Hexy-Gehabe

„Tita kann gerade leider nicht“: Katrin Bauerfeind debütiert als „Polylux“-Moderatorin mit Hausfrauen-Möchtegern-Glamourlocke und der Verbindlichkeit einer Stewardess.

Verena Friederike Hasel
Bauerfeind
Neue Heimat: Katrin Bauerfeind hat Internet gegen Fernsehen getauscht. -Foto: dpa

Macht Katrin Bauerfeind weiter wie bisher, wird sie vor ihrer Zeit altern, insbesondere um die Augenpartie herum. Diese Region ihres Gesichts war am Donnerstagabend, als sie das erste Mal „Polylux“ moderierte, sehr umtriebig; Brauen hoch, Brauen runter, Augen zu Schlitzen verengt und dann gleich wieder aufgerissen. Dass das der Tod jugendlicher Gesichtszüge ist, kümmert die 25-jährige Moderatorin womöglich wenig.

Was sich mit „Polylux“ und seiner neuen Moderatorin da zusammengefunden hat, ist ein erstaunliches Gespann. Eine Sendung versucht krampfhaft jung zu sein, und das schon seit 1997, und die nun dazugehörige junge Frau will möglichst erwachsen sein. Katrin Bauerfeind gab ihr „Polylux“-Debüt mit ordentlich geföhnter Hausfrauen-Möchtegern-Glamourlocke und der Verbindlichkeit einer Stewardess, die sich zur Erheiterung der älteren Herren auch mal ein bisschen kess gibt: „Tita kann gerade leider nicht“, sagte sie in der Anmoderation betont flockig, so als sei Tita von Hardenberg vor der Sendung noch mal rasch aufs Klo gehuscht und hätte es nicht rechtzeitig zurück geschafft.

Tatsächlich wird Katrin Bauerfeind, die ehemalige Moderatorin der Internetshow „Ehrensenf“, die schwangere Tita von Hardenberg vier Monate lang vertreten. Einen eigenen überzeugenden Stil hat sie in der Sendung am Donnerstag – 900 000 Menschen sahen zu – nicht gefunden. Exzessives Grimassieren, eine Stimme, welche die Texte klinisch rein, ohne jede persönliche Einfärbung sprach und ein bisschen zu viel Sexy-Hexy-Gebaren: „Ring frei für den Fightclub“, sagte Bauerfeind vor dem ersten Beitrag und schaute dabei so lasziv, dass man eher eine erotische Kissenschlacht erwartete als das, was dann tatsächlich kam – ein Pro und Contra zum Medienspektakel rund um die RAF.

Ein seltsam vertrautes Thema und einen ähnlichen Wiedererkennungswert bot auch der Beitrag über straffällige Jugendliche in einem Drillcamp. Es fehlte nur noch ein Bericht über Deutschland im WM-Fieber, und das Recycling von Altgeschichten wäre perfekt gewesen.

Leicht macht es „Polylux“ seinem Moderator sicherlich nicht. „Schaut her, ich bin total ausgeflippt“, scheint das Format unentwegt zu rufen, und das in Zeiten, wo allein das Wort „ausgeflippt“ wie von gestern wirkt. Das Bauerfeind’sche Vokabular ist bereits ähnlich eingestaubt: Von „angesagten“ Klamotten ist die Rede, ebenso von „durchgeknallten“ Menschen. Dabei müsste Katrin Bauerfeind, Jahrgang 1982, es eigentlich besser wissen.

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