Porträt : Blick in Abgründe

Von John Belushi zu Sharon Tate: die Arte-Reihe „Too young to die“ zeigt Menschen hinter dem Mythos, zu dem sie ihr tragisches Ende machte.

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Arrogant, aufbrausend, unsicher, anmutig: John Belushi lebte die Extreme, seine Rolle in „Blues Brother“ hat ihn zur Ikone der Popkultur gemacht. Foto: ZDF
Arrogant, aufbrausend, unsicher, anmutig: John Belushi lebte die Extreme, seine Rolle in „Blues Brother“ hat ihn zur Ikone der...

Sie waren Idole einer ganzen Generation und starben einen viel zu frühen Tod. Der Schauspieler John Belushi spritzte sich mit 33 Jahren eine tödliche Mischung aus Kokain und Heroin, der Rockstar Kurt Cobain schoss sich mit 27 eine Kugel in den Kopf, der Schauspieler Heath Ledger starb 28-jährig an einer fatalen Medikamenten-Kombination und die Schauspielerin und Ehefrau Roman Polanskis, Sharon Tate, wurde hochschwanger brutal ermordet. Die vierteilige Arte-Dokumentation „Too young to die“ zeigt im Rahmen des „Summer of Rebels“ vier Menschen hinter dem Mythos, zu dem sie ihr tragisches Ende machte.

Alle vier gehören nicht zu den ganz großen, früh verstorbenen Legenden wie etwa Janis Joplin, Jim Morrison oder James Dean. Das hat den Vorteil, dass ihre Geschichten noch nicht auserzählt und ihre Bilder noch unverbraucht sind. Auch ansonsten haben die vier Filme alles, was ein gutes Starporträt braucht: Kinderbilder, Showauftritte, Stimmen von Angehörigen und Weggefährten, intime Details und vor allem den Blick in den Abgrund.

Den Auftakt macht am Samstag „John Belushi – Ein Leben am Limit“. Extrem wie sein Humor war auch sein Leben. Jobst Knigges Dokumentation folgt dem Football- und Theatertalent aus der High School nach New York, wo es Mitte 20 mit der Comedyshow „Saturday Night Live“ zum Star wird. Die Musikkomödie „Blues Brothers“ machte John Belushi 1980 schließlich weltberühmt. Zwei Jahre später war er tot. „Er war arrogant, aufbrausend, witzig, anmutig, unsicher und verzweifelt“, heißt es über ihn im Film. Eine Freundin sagt: „Jeder wusste, es kann passieren“ und meint damit seinen Drogenabsturz. Die O-Töne seiner extravaganten Mutter und seines Bruders, dem Schauspieler James Belushi, sind über 25 Jahre alt. Neu hingegen sind die Super-8-Filme aus dem privaten Nachlass. Sie zeigen ihn und seine Frau Judy Jacklin zu Hause beim Grillen. Einer der wenigen Momente, wo Belushi nicht unter Hochdruck zu stehen scheint. Neben diesen sehr persönlichen Bildern gibt der Film auch einen Einblick in das schnelle, unbarmherzige Showgeschäft der 70er und 80er Jahre.

Einige Jahre später entwickelte sich eine Bewegung, die genug hatte vom gelackten Musikbusiness. Sie nannte sich Grunge, war rau und dreckig. Kurt Cobain wurde zu einer ihrer Ikonen. Er stammte aus ärmlichen, provinziellen Verhältnissen; die Trennung seiner Eltern und drei Selbstmorde in der Familie hatten ihn traumatisiert. „Die meisten Menschen, die auf die Bühne drängen, haben psychische Probleme“, sagt sein Biograf in „Kurt Cobain – Eine Überdosis Ruhm“. Es ist der schwächste Beitrag, da er wenig Neues bietet und sich über weite Strecken damit beschäftigt, wie seine Heimatstadt Aberdeen nach seinem Tod mit ihm umgeht.

Bemerkenswert hingegen ist der Film von Dag Freyer über den australischen Schauspieler Heath Ledger („Brokeback Mountain“). Das liegt einerseits daran, dass sein Tod erst vier Jahre her ist, und andererseits an Ledgers Vater, der ausführlich zu Wort kommt und Kisten voller persönlicher Fotos, Bücher und Filme zeigt. Ungewöhnlich gefasst erzählt der Ingenieur von seinem vielseits begabten Sohn und dessen Medikamenten-Tod, der für die Familie ein Unfall ist. Deutlich bewegter spricht Regisseur Terry Gilliam über Heath Ledger, mit dem er 2008 begonnen hatte „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ zu drehen. „Nach jedem Take war man sprachlos vor Staunen. Wundervoll“, sagt er mit Tränen in den Augen. Die Dokumentation „Heath Ledger – Liebling der Götter“ beinhaltet auch die wohl schönste Beerdigungsszene. Nach der Beisetzung in Perth begibt sich die Trauergesellschaft an Heath’ Lieblingsstrand, um ausgelassen im Meer zu schwimmen. Da bleibt einem tatsächlich kurz die Luft weg.

Der letzte Teil der Reihe, „Sharon Tate – Das Ende der Unschuld“, fällt etwas aus dem Rahmen, da die Schauspielerin kein Star und für ihren Tod auch nicht selbst verantwortlich war. Am 9. August 1969 wird die 26-jährige, die von ihrem Mann, dem Regisseur Roman Polanski, ein Kind erwartet, von Gefolgsleuten des kriminellen Sektenführer Charles Manson mit 16 Messerstichen ermordet. Zu Wort kommen Sharons Schwester und die Schauspielerin Elke Sommer, die 1969 mit Sharon Tate und Dean Martin in dem Spionagefilm „Rollkommando“ aufgetreten war.

Am Ende aller dieser Lebensgeschichten steht immer ein großes, trauriges Fragezeichen: Was hätte noch aus diesen Menschen werden können, wenn sie länger gelebt hätten?

„Too young to die“, Arte: 14. Juli: John Belushi, 0 Uhr; 21. Juli: Kurt Cobain, 21 Uhr 40; 28. Juli: Heath Ledger, 21 Uhr 40; 4. August: Sharon Tate, 21 Uhr 15

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