Porträt : Leben auf der Leinwand

Zum 30. Todestag von Romy Schneider widmet sich eine Retrospektive auf 3sat dem Werk der Schauspielerin.

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„Monpti“, „mein Kleiner“, nennt die Pariserin Anne-Claire (Romy Schneider) den Künstler (Horst Buchholz). Foto: 3sat
„Monpti“, „mein Kleiner“, nennt die Pariserin Anne-Claire (Romy Schneider) den Künstler (Horst Buchholz). Foto: 3sat

Es war Romy Schneiders Großmutter Rosa Albach-Retty, die sich noch zu Lebzeiten ihrer berühmten Enkelin über sie äußert: „Wer sich wie sie so hemmungslos von seinen Emotionen, Leidenschaften und Begierden treiben lässt, denkt sicher nicht daran, dass eine Kerze, die man an beiden Seiten anzündet, auch schneller abbrennt...“.

Nicht selten reflektieren die Spielfilme, in denen Romy Schneider mitwirkte, auf frappierende Weise ihr eigenes, reales Leben. Es ist, als ob die (Film-)Kunst und das Leben eins wären, als ob es keine Grenze, keine Übergänge gibt zwischen der Lebens-Wirklichkeit und der Leinwand-Fiktion. Dieses Phänomen macht einen erheblichen Teil der Faszination am Mythos Romy Schneider aus, einen Mythos, der in seiner Zeitlosigkeit ungebrochen ist.

Am 29. Mai 2012 jährt sich ihr Todestag zum 30. Mal – Anlass für Retrospektiven und Ausstellungen, für Hommagen und Filmreihen. So widmet 3sat der Aktrice –  die in Österreich (hier wurde sie geboren, in Deutschland (hier wuchs sie im bayerischen Berchtesgaden auf) und in Frankreich (hier wohnte sie mit ihrer großen Liebe Alain Delon) lebte – eine umfassende zwölfteilige Reihe, die am Pfingstsonntag startet.

Zehn Spielfilme werden gezeigt, darunter Helmut Käutners Paris-Liebesfilm „Monpti“ (1957) sowie das Max-Ophüls-Remake „Christine“ (1958), „Die Dinge des Lebens“ (1970) und „Das Mädchen und der Kommissar“ (1971), beides zentrale Filme ihres französischen Lieblingsregisseurs Claude Sautet, bis hin zu Viscontis „Ludwig II.“ (1972) und dem letzten Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (1982).

Ferner sind zwei Dokumentationen zu sehen, die disparater in ihrer Haltung nicht sein könnten: Zum einen Hans Jürgen Syberbergs Doku-Klassiker „Romy - Porträt eines Gesichts“ (1966), dem nach wie vor unverändert Besten, was es an Dokumentarischem über „La Schneider“ gibt. Ein subversives SchwarzWeiß-Stück, improvisiert und an drei Drehtagen im verschneiten Kitzbühel entstanden, welches die damals 27-jährige Schauspielerin unvermittelt und ungeschminkt zeigt.

Zum anderen „Romy – Eine Frau in drei Noten“ (2008), in der der etwas kapriziöse Versuch unternommen wird, Romys Dasein in die drei Duftnoten eines Parfüms zu unterteilen, in eine Kopfnote, eine Herznote und eine Basisnote.

Romy Schneiders Begräbnis fand am 2. Juni 1982 in Boissy-sans-Avoir statt, einem winzigen Dorf 50 Kilometer außerhalb von Paris. Dort, wo sie eigentlich leben wollte, dort wird sie beerdigt. „Ich kann nichts im Leben – aber alles auf der Leinwand“, hat Romy Schneider einmal gesagt. Doch ihre bis heute anhaltende Wirkung über Generationen hinweg widerlegt sie selbst.

Auch am 29. Mai 2012, an Romy Schneiders 30. Todestag, wird ihr Grab wieder vollgestellt sein mit Blumen und Devotionalien, werden es die Menschen, die es wirklich finden wollen, auch finden. An diesem Ort, der so ganz eigen ist in seiner Atmosphäre, vollkommen abgelegen, wie der Welt abhandengekommen. Diesen Ort, an dem Romy Schneider begraben ist.

„Monpti“, 17 Uhr 20, „Romy“, 20 Uhr 15 (mit Jessica Schwarz), „Romy – Porträt eines Gesichts“, 22 Uhr, „Das Mädchen und der Kommissar“, 23 Uhr; Pfingstsonntag; 3sat. Weitere Filme folgen in den nächsten Tagen, siehe www.3sat.de.

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