Medien : Post feiert nicht unter den Augen von „Spiegel-TV“

Ulrike Simon

Einer spannenden Geschichte waren „Spiegel“ und „Spiegel TV“ am vergangenen Freitag auf der Spur. Leider stand sie weder im Blatt noch lief sie im Fernsehen, sondern war in der „Süddeutschen“ nachzulesen. Es ging darum, dass die Post, die am selben Tag, an dem sie bestätigen musste, dass sie ihr Filialnetz um 1000 ausdünnen wird, 180 Top-Manager aus aller Welt zu einer Veranstaltung auf einen Berg in Interlaken einfliegen ließ. Wegen einer defekten Seilbahn, schreibt die „SZ“ weiter, musste die Tagung auf einen benachbarten Berg verlegt werden. Dort mussten aber zunächst die Räumlichkeiten geschaffen werden. Ein Glashaus mit 40 eigens herbeigeschafften Panoramafenstern war bereits errichtet, als ein Team von „Spiegel TV“ auftauchte.

Für die Außendarstellung wäre es nicht gut gewesen, hätte „Spiegel TV“ berichtet, wie die Post zum Nachteil der Verbraucher spart, während die Manager für 1,7 Millionen eine Sause feiern. Post- Kommunikationschef Manfred Harnischfeger wusste die Geschichte zu verhindern. Er telefonierte mit Stefan Aust, verantwortlich für „Spiegel TV“, Moderator der Sendung und Chefredakteur des „Spiegel“. Gesellschafter des „Spiegel“ ist Bertelsmanntochter Gruner + Jahr, Harnischfeger war einst Bertelsmann-Sprecher. Aust und Harnischfeger kennen sich.

Aust bestätigt den Anruf, durch den er überhaupt erst von der „Spiegel-TV“-Recherche erfahren habe. Er bestätigt auch, dass er sich nach dem Anruf bei „Spiegel TV“ erkundigt habe, was da geplant sei. Aust dementiert jedoch, das Reporterteam zurückgepfiffen zu haben. „Hätte ich das gewollt, hätte ich es auch getan“, sagt Aust. Aber das war auch schon nicht mehr nötig. Die Post hatte die Feier kurzerhand abgesagt und teilte dies wiederum Aust mit. Die Geschichte hatte sich damit von selbst erledigt, sagt Aust. Über die geplante Veranstaltung und die Absage aus Angst vor schlechter Presse haben weder „Spiegel“ noch „Spiegel TV“ berichtet. Das sei keine Geschichte wert, sagt Aust: Wenn nichts stattfinde, könne man nichts berichten. Außerdem „hätten wir ja dann über uns selbst berichten müssen“, das wollte man nicht. Harnischfeger sagt, er habe befürchtet, dass die Reporter unsachlich berichten würden. Nicht äußern wollte er sich dazu, inwiefern er durch Telefonate mit Aust die Berichterstattung verhindern wollte.

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