Premiere beim "Bericht aus Berlin" : Tina Hassel moderiert die Griechen-Krise

Jetzt ist es passiert: Tina Hassel hat als Nachfolgerin von Ulrich Deppendorf ihren ersten "Bericht aus Berlin" präsentiert

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Der Wechsel soll auch optisch markiert sein. Während sich Ulrich Deppendorf bei seinem "Bericht aus Berlin" allerhöchstens "50 Shades of Grey" gönnte, geht seine Nachfolgerin Tina Hassel mit knalligen Rot in ihre Premiere. Die neue Chefin des ARD-Hauptstadtstudios zeigt sich dem Publikum beim "Bericht" quasi alarmiert. Kann sie auch, muss sie auch. Eine erste Live-Schalte nach Athen zum Start der Sendung zeigt an, dass eine Mehrheit der Griechen Nein zum Referendum gesagt hat und damit dem Kurs von Ministerpräsident Tsipras folgen wird. Das ist quasi eine Steilvorlage für eine spannende Sendung, für einen "Brennpunkt" im "Bericht aus Berlin" - vielleicht die Eröffnung für einen langen Wahlabend im Ersten. So könnte es werden, so wird es nicht. Erkennbar werden zwei bereits vorproduzierte Stücke - einmal zur Frage, was das griechische Drama den Steuerzahler kosten wird, dann, wie es um die Zukunft von Kanzlerin Merkel steht - genutzt, um den Gesprächspartnern im Studio Futter zu liefern: Carsten Schneider, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, und der Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir. Beide Politiker wiegen hin und her, sie spekulieren vorsichtig, was werden könnte, wobei Özdemir die interessantere Perspektive aufmacht: Ob die Mehrheit von CDU/CSU-Fraktion weiteren Hilfen für Griechenland überhaupt zustimmen würde? Auch er rückt die Kanzlerin ins Zentrum des Geschehens.

Tina Hassel agiert nervös bei ihrer Premiere

Tina Hassel bekommt, je länger die die Sendung dauert, festeren Stand. Sie ist sichtbar nervös, mancher Satz wackelt in der Konstruktion bedenklich, immerhin zeigt sich schon, dass sie anders als der tiefenentspannte Deppendorf mit mehr Verve und Temperament agieren wird. Weiter so, wird nicht ihre erste Devise sein. Allerdings wird die 51-jährige Journalistin beim "Bericht aus Berlin" nicht die Revolution ausrufen. Aber hin und wieder ein Revolutiönchen, das täte dem leicht ergrauten Klassiker wahrlich gut. Ruhe ist nicht die erste Programmpflicht des "Berichts aus Berlin".

Hassels erster Auftritt wirkt wie das Warm-Up zu den Beiträgen, die nach der Entscheidung in Griechenland anstehen: "Tagesschau", "Brennpunkt", "Günther Jauch". Anerkennenswert, dass die Sendung eigene Akzente setzen möchte. Bedauerlich und der Dramatik der Ereignisse nicht angemessen, dass sich das Hauptstadtstudio und damit das Erste nicht haben durchringen können, schon um 18 Uhr 30 mit einem "Brennpunk aus Athen" die Zuschauer zu informieren. Besondere Ereignisse erfordern besonderes Fernsehen und nicht Regelprogramme nach Schema ARD. Nach dem Premieren-Auftritt von Tina Hassel besteht kein Zweifel, dass die Journalistin diese Herausforderung bewältigt hätte.

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