Premiere : Das etwas andere Duell

20 Millionen sehen am Sonntagabend Kandidaten-Fernsehen. Der Rest freut sich auf Maigret und die „Simpsons“

Markus Ehrenberg

Fast ist es am Sonntagabend so wie in den frühen 80er Jahren, vor Einführung des Privatfernsehens. Viel TV-Duell auf vier großen Sendern, die auf den meisten Fernbedienungen auch noch ganz vorne stehen. Kein „Tatort“, keine Pilcher, kein Hollywood-Blockbuster auf Sat 1/RTL. Was Wahlkampf- und Politikverdrossenen im Fernsehen bleibt, ist ein Arte-Themenabend zu Kommissar Maigret und auf Pro7 der Animationsfilm „Die Simpsons“. Auch hier müssen Homer und seine Familie eine Art Duell bestreiten, gegen Vater Staat, weil Homers neues Hausschwein die Umwelt verpestet. Der Gouverneur lässt die Stadt Springfield mit einer Art Käseglocke verschließen.

Vielleicht sagt das auch was über unterschiedliche Zielgruppen aus: Simpsons Hausschwein gegen den Schlagabtausch Merkel und Steinmeier, der den öffentlich-rechtlichen Sendern sowieso die meisten Zuschauer bescheren dürfte. Die Quote bei RTL und Sat1 hinkt bei solchen Parallelübertragungen meistens hinterher. Beide Sender können es sich mit ihrem Nachrichtenprofil schon aus Imagegründen nicht leisten, beim großen Bundestagswahl-Showdown zu fehlen. Ein Spielfilmsender schon. „Die Programmierung stand sechs Wochen vor der Terminbekanntgabe des TV-Duells fest“, sagt Pro7-Sprecher Christoph Körfer. Mit wie vielen Zuschauern der Privatsender gegen das TV-Duell in der Primetime rechnet, will Körfer nicht verraten. „Viele Freunde des jungen, großen Hollywood-Kinos werden wohl auch an diesem Sonntag Pro7 schauen.“ Gegen das TV-Duell 2005 mit Angela Merkel und Gerhard Schröder lief auf Pro7 der Blockbuster „Vier Federn“ mit einem Marktanteil von 14,4 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe.

Die dürfte sich über die Kino-Version der „Simpsons“ freuen. Mit 400 Folgen ist die Trickserie um die gelbe Familie mit den Glubschaugen die am längsten laufende Comedy-Serie im US-Fernsehen. In Deutschland sind die Geschichten mit dem faulen, im Atomkraftwerk arbeitenden Homer, seiner patenten Frau Marge mit der Turmfrisur, dem rotzfrechen Jungen Bart, seiner strebsamen Schwester Lisa und dem Schnuller-Baby Maggie seit Anfang der 90er Jahre zu sehen. Mit „Die Simpsons - Der Film“ gab es erstmals statt 22 Minuten TV-Episode 87 Minuten Simpsons am Stück, die von Kritikern und Fans gefeiert wurden. Nun die Free-TV-Premiere. Homer Simpson macht Merkel und Steinmeier dabei auch in Sachen Werbung Konkurrenz, mit der größten crossmedialen Kampagne in der Geschichte von ProSieben. In Berlin fährt Homer Simpson höchstpersönlich in 181 Taxen mit. Markus Ehrenberg

„Die Simpsons“, Pro7, Sonntag, 20 Uhr 15

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