Presse Club : Hintergrund schlägt Talkshow

Bundestagspräsident Norbert Lammert gratuliert dem Berliner Presse Club zum 60. Geburtstag.

von

Vor fast hundert Jahren erläuterte Albert Einstein in der Archenhold-Sternwarte im Treptower Park erstmals seine Relativitätstheorie vor einem Laienpublikum. An diesen symbolträchtigen Ort lud der Berliner Presse Club zur Feier seines 60. Geburtstags. Bundestagspräsident Norbert Lammert bekannte zu Beginn, dass er festliche Festreden gar nicht mag, und übte sich dann in der hohen Kunst der kritischen Festrede so gekonnt, dass am Ende sogar ein überzeugender Glückwunsch dabei herauskam verbunden mit der Überzeugung, dass der Berliner Presse Club auch in Zeiten der digitalen Revolution seine Existenzberechtigung behalten wird.

Von den Hintergrundgesprächen mit Bundespräsidenten, Kanzlern und Ministern ist tatsächlich niemals etwas nach außen gedrungen. Sie sind auch in gewisser Hinsicht das Gegenteil von dem Format, an dem Lammert sich am liebsten und lustigsten abarbeitet, der von den oberflächlichen Lastern des Internets verseuchten Talkshow, „in denen die immer gleichen Personen sich über Sachverhalte beugen, wo bereits das Format ausschließt, dass diese ernsthaft behandelt werden können“. Das führt umgehend zu der Schlussfolgerung: „Kritischer analytischer Journalismus in Zeiten der digitalen Revolution ist noch wichtiger geworden.“

Wichtig war der auch bei der Gründung, sieben Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur. Daran erinnerte die Vorsitzende, Evelyn Fischer. Sie ist auch ein Beispiel dafür, dass sich die Rolle der Frau selbst in ehrwürdigen Medieninstitutionen fundamental ändern kann. Bis 1983 waren Frauen als Mitglieder im Club gar nicht zugelassen. Danach ging aber alles recht schnell. Evelyn Fischer hält sich nun bereits seit zehn Jahren erfolgreich an der Spitze.

Zum Ausklang gab es beschwingte Gespräche mit Diplomaten und Politikern. Den Hintergrund bildete der Sternenhimmel im Planetarium.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben