Medien : Print-Duell geplant

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Was die Fernsehsender können, können Zeitungen schon lange, mögen sich Wolfram Weimer von der „Welt“ und Hans Werner Kilz von der „Süddeutschen Zeitung“ gedacht haben. Die beiden Chefredakteure haben vor zwei Wochen an Bundeskanzler Gerhard Schröder und Herausforderer Edmund Stoiber jeweils einen Brief geschrieben, in dem sie die beiden zu einem Streitgespräch bitten. Das autorisierte Wortlaut-Interview, so der Plan, soll dann zeitgleich in beiden Zeitungen auf je einer Doppelseite erscheinen. „Die publizistische Breitenwirkung wäre für Sie wie für uns sicher enorm“, heißt es in dem Schreiben.

Das haben sich die beiden Chefredakteure clever ausgedacht. Zwei überregionale Zeitungen, die eine linksliberal, im süddeutschen Raum verankert und mit Sitz in München, die andere konservativ, im norddeutschen Raum verbreitet und mit Sitz in der Hauptstadt, zeigen den Fernsehsendern, was eine Harke ist. Warum sollten die gedruckten Medien das Feld den elektronischen auch einfach kampflos überlassen?

Die beiden Zeitungschefredakteure warten nun gespannt auf eine Antwort. Von Stoiber, heißt es, gebe es bereits ein positives Signal, das Kanzleramt scheint noch abwarten zu wollen. Viel Zeit ist nicht, bedenkt man, was noch alles zu klären ist.

Da geht es zum einen um die Terminfrage: Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Welt“ würden das Interview gern noch vor der Sommerpause, also vor dem Fernsehduell führen. Und dann wird es natürlich auch um die Art der Darstellung gehen: Werden Kanzler und Kanzlerkandidat darauf bestehen, die Fotos selbst auszuwählen? Werden sie stehend oder im Porträt abgebildet werden? Nebeneinander oder getrennt? Man kennt die ganzen Fragen ja von der Debatte ums Fernsehduell. Fest steht nur, wer das Gespräch moderieren wird: Kilz und Weimer, die beiden Chefredakteure höchstpersönlich.

Ob sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ noch einklagen wird? Vielleicht im Schulterschluss mit Guido Westerwelle ein Gutachten anfertigen lässt? Ulrike Simon

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