PRINT GOES INTERNET : Google reicht Verlegern die Hand

Beim neuen Internet-Newsangebot „Fast Flip“ werden Erlöse geteilt – vorerst nur in den USA. Für die deutschen Verleger ist der Vorstoß dennoch ein Paradigmenwechsel.

Kurt Sagatz

Was verbindet den neuen Thinkpad-Multitouch-Laptop mit blutrünstigen Bettwanzen, der Reform des US-Gesundheitswesens und dem Nachruf auf den Schauspieler Zakes Mokae? Es handelt sich dabei um einige Berichte von insgesamt 50 US-Medien – darunter „New York Times“, „Washington Post“, „Newsweek“ und „Business Week“ – deren beste Artikel über den neuen Google-Nachrichtendienst „Fast Flip“ durchgeblättert werden können. Und das nicht nur mit Duldung der Verlage, sondern mit deren ausdrücklicher Zustimmung. Denn bei „Fast Flip“ werden die Verlage anders als bei Google News direkt an den Werbeerlösen des Suchmaschinengiganten beteiligt. „Das ist alles andere als eine Nebelkerze, sondern ein ernst zu nehmender Paradigmenwechsel. Google geht damit einen sehr großen Schritt auf die Verleger zu“, sagt Hans-Joachim Fuhrmann vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV.

Erst vor wenigen Tagen hat Google neben anderen US-Technologieunternehmen der amerikanischen Zeitungsorganisation NAA Vorschläge unterbreitet, wie die Verleger auch im Internet Geld mit ihren publizistischen Produkten verdienen können. Google bot sich dabei als Partner der Verlage bei der Abrechnung kostenpflichtiger Internettexte an.

„Fast Flip“ geht mit einer direkten Erlösbeteiligung der Verlage nun jedoch den möglicherweise entscheidenden Schritt weiter. Zu den Beiträgen, bei denen es sich vor allem um längere und anspruchsvollere Texte wie Reportagen, Kommentare oder Analysen handelt, wird statt einer Google-Adword-Anzeige eine grafische Werbung eingeblendet. Über die Aufteilung der Werbeerlöse wurde zwar Stillschweigen vereinbart, einem AP-Bericht zufolge soll jedoch der Großteil der Einnahmen an die Verlage ausgeschüttet werden.

Vorerst ist „Fast Flip“ ein auf die USA beschränktes Experiment von Google Labs. Das Besondere an „Fast Flip“ ist das schnelle Umblättern der Texte, das über Screenshots erreicht wird. Neben dem Internetangebot im Stile eines Magazins sind Anwendungen für iPhone-Handys und Android-Smartphones geplant. Ob auch Verlage außerhalb der USA beteiligt werden, hänge vom Erfolg des Experiments ab, sagte Google-News-Manager Josh Cohen.

Auf eine Beteiligung an den Google-Erlösen drängen auch die deutschen Verleger seit längerem. In der „Hamburger Erklärung“ forderten sie Ende Juli einen besseren Schutz des geistigen Eigentums. Am Montag wiederholte BDZV-Präsident Helmut Heinen die Forderung nach einem gesetzlichen Leistungsschutzrecht gegen Gratisangebote im Internet. „Es ist nicht länger hinzunehmen, dass aufwendig produzierte Qualitätsinhalte der Zeitungen von Dritten kommerziell genutzt werden, ohne dass auch nur ein Cent an die Verlage zurückfließt“, sagte Heinen auf dem Zeitungskongress 2009 in Fulda. Thema der Veranstaltung: „Zukunft gestalten – unter neuen Bedingungen“. Die Politik hat den Verlegern Unterstützung zugesagt, Kulturstaatsminister Bernd Neumann kündigte im Juni eine entsprechende Initiative der Bundesregierung für die kommende Legislaturperiode an. Kurt Sagatz

http://fastflip.googlelabs.com

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