PRINT : Krise in den USA, Wandel in Deutschland

Eine aktuelle Studie vergleicht die Zeitungsmärkte in Deutschland und in den USA. Danach sind Zeitungsverlage hierzulande in einem Wandel begriffen, in den USA stecken sie einer Krise.

Die deutsche Zeitungsbranche ist in einem tiefgreifenden Wandel begriffen, die amerikanische befindet in einer sehr schwierigen Situation. Vergleichbar seien die Märkte in keiner Weise. Das ist das Ergebnis der Studie „Am Wendepunkt. Die Zeitungen in den USA – Konvergenzen und Divergenzen zum deutschen Zeitungsmarkt“, die der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Auftrag gegeben hat. Auslöser war laut Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff die „völlig verzerrte Darstellung der Situation“, wo die Dramatik der US-Entwicklungen häufig eins zu eins auf den deutschen Markt übertragen worden seien. Die Studie will die tatsächlichen Verhältnisse klarstellen.

Danach verloren die amerikanischen Blätter 2008 etwa 23 Prozent ihres Anzeigenumsatzes, ebenso massiv waren auch die Auflagenverluste. Titel wurden eingestellt („Rocky Mountain News“) oder erscheinen wie „The Christian Science Monitor“ nur online. Vier von zehn Amerikanern lesen noch die gedruckte Zeitung, in Deutschland greifen gut 70 Prozent der Erwachsenen zur Zeitung. Die Finanzierung aus dem auch hier schrumpfenden Werbemarkt (2008: minus 4,2 Prozent) ist deutlich geringer als in den USA. In Deutschland werden jeweils rund 50 Prozent des Umsatzes aus Werbung und über den Vertrieb erzielt; das Verhältnis in den USA lautet 80 (Werbung) zu 20 (Vertrieb).

Ralf Siepmann, Autor der Studie, wies darauf hin, dass die Zeitungshäuser in Deutschland in der Regel mittelständische und inhabergeführte Verlage seien, während in den USA Aktiengesellschaften die Branche dominierten. Diese müssten in viel kürzeren Investitions- und Renditezyklen denken. Weitere Vorzüge des deutschen Marktes sind die starke lokale/regionale Verwurzelung der Blätter sowie die hohe Qualität der redaktionellen Inhalte, von Druck und Papier. „Amerikanische Verhältnisse sind in Deutschland nicht zu befürchten“, sagte Siepmann. jbh

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