Print : Pioniere und Piraten

1934 wurde der "Aufbau" in New York gegründet. Jetzt will sich das jüdische Monatsmagazin eine größere Leserschaft in Deutschland erschließen.

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In New York wurde der „Aufbau“ 1934 gegründet. Sonntag liegt das jüdische Monatsmagazin dem Tagesspiegel bei. Repro: Tsp
In New York wurde der „Aufbau“ 1934 gegründet. Sonntag liegt das jüdische Monatsmagazin dem Tagesspiegel bei. Repro: Tsp

Manchmal summt Yves Kugelmann Lieder von Bob Dylan vor sich hin. „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ beispielsweise, oder „Gates of Eden“. Wer die aktuellen Bewegungen vom Arabischen Frühling bis hin zu „Occupy“ verstehen wolle, der finde viele Antworten in Dylans Songzeilen, sagt Kugelmann – und analysiert deshalb Dylans Texte in der aktuellen Ausgabe des „Aufbau“.

Kugelmann ist Chefredakteur des jüdischen Monatsmagazins, das 1934 von jüdischen Auswanderern aus Deutschland in New York gegründet wurde, seit 2005 in Zürich in der Serenada AG produziert wird und sich jetzt eine noch größere Zielgruppe in Deutschland erschließen will. Deshalb erscheint der „Aufbau“ am Sonntag als kostenlose Beilage in deutschen Zeitungen, auch im Tagesspiegel.

Im Gegensatz zur Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ oder zur kürzlich gegründeten „Jewish Voice of Germany“ will der „Aufbau“ aber nicht über jüdisches Gemeindeleben oder vorwiegend politische Themen berichten, sondern Debatten kulturell und gesellschaftspolitisch beleuchten, sagt Kugelmann: „Schon die Gründer des ,Aufbau’, die jüdischen Emigranten in New York, haben sich als Pioniere verstanden. Vor diesem avantgardistischen Hintergrund wollen auch wir heute noch berichten.“

Jeden Monat widmet sich der „Aufbau“ einem Thema. In der aktuellen Ausgabe dem „Aufstand der Bürger“. Der frühere US-Arbeitsminister Robert Reich schreibt beispielsweise über die ungleiche Verteilung von Einkommen, Vermögen und Chancen in Amerika, Gisela Dachs, „Zeit“-Korrespondentin in Tel Aviv, berichtet über den Aufstand der Mittelklasse in Israel, und Piratin Marina Weisband spricht über das Bürgerverständnis ihrer Generation.

Rund 4500 Exemplare verkauft der „Aufbau“ nach Angaben von Kugelmann monatlich in Deutschland, Israel, der Schweiz und den USA. Finanziert wird das Magazin von Susanne Braginsky, die mit der Serenada AG auch die jüdische Wochenzeitung „Tachles“ herausgibt.

Künftig soll der „Aufbau“, der 3,50 Euro kostet, in Deutschland nicht nur an Kiosken in Bahnhöfen und Flughäfen zu kaufen sein, sondern auch in Buchhandlungen. Fotografie, Hafenstädte und Anarchie sind die nächsten Themen – und die Wahlen in den USA. Für Kugelmann wieder eine gute Gelegenheit, um Dylans Songs zu summen. Sonja Pohlmann

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