Printmagazin : Wenn globaler Zufall eine Zeitschrift wird

"Subjektive Seiten der Globalisierung": Dennis Buchmann erhält vom Springer-Konzern eine halbe Million Euro, um den "Humanglobalen Zufall" aufzulegen.

Christian Meier

Dennis Buchmann hat in nur wenigen Monaten eine erstaunliche Journalistenkarriere hingelegt. Der 30-jährige Diplom-Biologe und Absolvent der Münchner Journalistenschule wurde im Dezember 2007 von einer Jury zum Gewinner des Ideenwettbewerbs „Scoop“ erklärt. Eine halbe Million Euro spendiert die Axel Springer Akademie nun, um seine Idee eines neuen Printmagazins umzusetzen, das den etwas verkopften Titel „Humanglobaler Zufall“ trägt und sich den „subjektiven Seiten der Globalisierung“ widmen soll.

Die erste Ausgabe kommt am Montag in den Handel und ist den Preis von fünf Euro wert. Neue Zeitschriften, die nicht wie eine Kopie bereits existierender Hefte aussehen, sind selten geworden und kommen in den wenigsten Fällen aus Großverlagen wie Springer. Eine rühmliche Ausnahme war „Neon“ von Gruner+Jahr, eine Zeitschrift für junge Erwachsene, der es gelingt, einen eigenen Ton im Gerausche des ewig Gleichen zu finden.

Der „Neon“-Generation könnte der „Humanglobale Zufall“ mehr als einen Blick wert sein. Die Idee ist charmant: Sechs üppig bebilderte Reportagen erzählen von Menschen an verschiedenen Orten der Welt. Malte leitet ein Kinderhaus in Ecuador, Alejandro baut Zuckerrohr in Costa Rica an, Victor ist Qualitätsmanager einer Brauerei in Kanada. Die Protagonisten sind miteinander bekannt – Sven kennt Alejandro, der wiederum mit Victor befreundet ist usw. Nach dem Kleine-Welt-Phänomen ist jeder Mensch mit jedem anderen verbunden.

So ist es nur symbolisch, wenn ein roter Stofffaden in jedem der 100 000 Hefte klebt und die Werbekampagne „Folgen Sie dem roten Faden“ betitelt ist. Das sehr schlüssige Design des Magazins, das auf einem zeitungsähnlichen, matt-rauen Papier gedruckt ist, hat Mirko Borsche („SZ-Magazin“, „Neon“) entwickelt. Die Textqualität bleibt hinter den herausragend guten Fotos zurück, die Porträts fallen ein wenig zu harmlos-freundlich aus. Das kann ja noch werden, auch wenn zunächst nur vier Ausgaben des Magazins binnen eines Jahres geplant sind. Dann ist das Budget verbraucht. Christian Meier

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