Prism-Talk bei Anne Will : Die erste Talkshow über Snowden

Endlich, endlich, war der Aufreger NSA-Spionage auch Thema einer Talkshow. Bei Anne Will versuchten sich die Diskutanten in der Enttüddelung eines Themas, das sich so gar nicht enttüddeln lässt.

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Anne Will.
Anne Will.Foto: dpa

Am Mittwochabend passierte nun endlich das, was seit Tagen alle Deutschen fordern – zumindest alle Deutschen, die beim Krachmachermedium „Spiegel Online“ arbeiten: Die erste Talkshow über Snowden, über den so genannten Spionageskandal, über Merkels Rolle in dem ganzen Abhörwirrwarr.

Denn das könne ja nicht sein, dass Günther Jauch und Frank Plasberg da nicht drüber reden wollten, sondern lieber über Schlaglöcher („Günther Jauch“) und über die Rente („Hart aber fair“). Und als die Talkshowredaktionen befragt wurden, warum denn diese Themen, und nicht dieses wichtige, brisante (ein im Prinzip schon unmöglicher Vorgang, dass sich eine Redaktion anschickt eine andere Redaktion zu fragen, warum sie Dinge unterlässt), da hieß es, man würde einfach keine vernünftige Runde zusammenbringen. Jetzt also Anne Will. Die Runde? Nun ja.

Natürlich war Sigmar Gabriel beim Thema NSA eingeladen

Sigmar Gabriel war natürlich da, der irgendwann in den vergangenen Tagen zu dem Schluss gekommen sein muss, dass es sich bei diesem Thema um ein Wahlkampfthema handeln könnte. Also kam der SPD-Chef ins Studio und machte: keinen Wahlkampf, sondern er versuchte sachlich die ganze Geschichte zu enttüddeln – und das ist möglicherweise das Problem an dieser Geschichte. Sie ist nicht einfach, sie lässt sich nicht einfach so enttüddeln, im Prinzip ist es kein Wunder, dass es bisher noch keine Talkshow gewagt hat, dieses Thema aufzugreifen. Es ist zu kompliziert, man findet ja auch kaum Gäste, die das alles überhaupt verstehen. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, scheint es zu verstehen – die Frau ist schlau, aber das, was sie sagte, war beinahe zu anstrengend für eine Sendung, die kurz vor Mitternacht läuft. Kurz einzuladen war trotzdem ein Glücksfall, denn an ihr merkte der Zuschauer, dass es eventuell auch eine Unmöglichkeit gibt, manche Themen für Talkshows aufzubereiten. Das merkte man auch der Moderatorin Will an, die zu oft sagte, sie staune über all das, und ansonsten die meiste Zeit einfach nur ihre Gäste machen ließ – und sich, wenn sie nicht mehr weiter wusste, in Einspielfilme flüchtete. Die waren leider dann reißerisch, Vergleiche zu „Spionagethrillern“ wurden bemüht, es ging zu oft um die falsche Frage, ob Edward Snowden ein Held oder ein Verräter ist - eine Frage übrigens, die sich die Gäste dann doch weigerten abschließen zu beantworten.

Ist Edward Snowden ein Held oder ein Verräter?

 Obwohl: Für den Politikberater Andrew B. Denison scheint das klar zu sein, ein Verräter natürlich, aber die Art und Weise, wie er auftrat, musste sogar bei den größten Amerika-Kritiker Mitleid auslösen, denn so einen Verteidiger haben die USA nun auch wieder nicht verdient. Denison lehnte sich die meiste Zeit zurück und meinte, er habe „keine Beweise“ gesehen, dass die Anschuldigungen Snowdens stimmen würden – als ob es darum gehen würde. Auch sein Hinweis, dass das ja alles nicht so neu sei – na ja: Wie neu das alles ist, zeigt ja schon die Tatsache, dass fast alle Gäste forderten, Moral und Gesetze endlich neu zu justieren; Gabriel brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Da laufen nicht mehr so ein paar Schlapphüte durch die Gegend.“ Überhaupt machte er seine Sache gut, während die Bündnisgrüne Renate Künast etwas zu sehr betroffen war, etwas zu sehr schockiert. Wahlkampf allerdings war das alles nicht, auch wenn mit Michael Grosse-Brömer der erste parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion da war, sozusagen der Merkel-Sprecher. Kannte also die Kanzlerin das ganze Ausmaß? Konnte nicht beantwortet werden, allerdings meinte Constanze Kurz, wenn Merkel nichts gewusst habe, dann sei das auch ein Skandal. Außerdem wies sie wiederholt darauf hin, dass man eigentlich über Industriespionage reden müsse – was dann allerdings leider niemand tat – in der letzten Viertelstunde zerfranste die Diskussion und am Ende sagte Anne Will, dass diese Debatte weitergehen werde. Allerdings nicht bei ihr, sie macht erst mal bis Ende August Sommerpause. Und darüber schien sie auch ganz froh zu sein.

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