Medien : Privatsender ignorieren Jugendschutz

FSF-Empfehlungen trickreich umgangen

Die privaten Fernsehsender strahlen häufig tagsüber Spielfilme oder Fernsehfilme mit einer Altersfreigabe aus, die nicht von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) gebilligt wurde. Das stellt die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in ihrem Bericht über den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien fest, der die Zeit von April 2005 bis März 2007 umfasst.

Bei der Programmierung des Tagesprogramms umgehen die Privatsender die FSF – die die privaten Anbieter als Selbstkontrollorgan mit verpflichtenden Voten eingerichtet hatten – auf unterschiedliche Weise. In zahlreichen Fällen strahlen sie Filme ohne Konsultation der FSF in der Kinoversion aus oder in einer von ihnen selbst angefertigten Schnittfassung. Mehrfach legten Sender der FSF Filme mit einer Kinofreigabe ab 16 Jahren vor und erhielten Freigaben für die Ausstrahlung ab 20 Uhr. Diese Filme kürzten sie selbst und sendeten sie – ohne FSF-Prüfung – im Tagesprogramm. „Diese Tendenz der Platzierungspraxis im Tagesprogramm wurde bei allen privaten Rundfunkveranstaltern beobachtet, verstärkt jedoch bei den Anbietern ProSieben, Vox und RTL II“, heißt es in dem Bericht.

Auch bei vier Folgen der ProSieben-Serie „Sex and the City“, die tagsüber ausgestrahlt wurden und zahlreiche Beschwerden von Zuschauern auslösten, wurden Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen festgestellt. Diese Folgen waren von der FSF für die Sendung ab 20 Uhr freigegeben worden, die Freigabe einer gekürzten Fassung für das Tagesprogramm lehnte die FSF dagegen ab. Daraufhin wandte sich der Sender an die für das Kino zuständige Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) und bekam dort die Freigabe „ab 12 Jahre“. Danach strahlte er die Folgen an der FSF vorbei tagsüber aus.

Die FSF prüft das private Programm „insbesondere hinsichtlich des Gehalts an Gewalthandlungen und sexuellen Darstellungen“. Für die Sender herrscht Vorlagepflicht. Der KJM-Bericht blamiert die FSF auf zweierlei Weise: Einerseits kommt es nicht zur Programmprüfung, andererseits werden die Prüfentscheidungen frech umgangen. jbh

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