Medien : Prix Europa: Wer informiert über Taliban?

Jochen Meissner

"Wir sind keine gut informierte, wir sind eine schlecht informierte Gesellschaft", wetterte Peter Leonhard Braun im Vorfeld "seines" Prix Europa. Der Leiter des Wettbewerbs für Fernseh- und Radioprogramme aus ganz Europa beklagte am Donnerstag den Stellenwert, den Informationsprogramme in der Medienwelt des Kontinents hätten. Deshalb beschäftigt sich der 15. Prix Europa, der am Sonnabend startet und bis zum 20. Oktober in Berlin und Potsdam ausgetragen wird, zum zweiten Mal in einer speziellen Kategorie mit den "Current Affairs" - "damit man nicht immer erst im Nachhinein erfährt, wer die Taliban sind", so Braun.

In seiner langen Geschichte hat sich der Prix Europa (früher Prix Futura) immer den medialen Veränderungen angepasst. Wurde die Kategorie für Informationsprogramme erst im letzten Jahr auf Initiative der BBC neu eingeführt, wird in diesem Jahr die Innovationskategorie "Marktplatz für neue Ideen" nach drei Jahren eingestellt. "Zum einen", so Peter Leonhard Braun "weil der Ideenreichtum langsam versiegte und zum anderen, weil die innovativen Leistungen nur sehr zögerlich Eingang in die Programme und Strukturen der Rundfunkveranstalter Eingang fanden." Stattdessen gibt es die Kategorie "Internet", die mit einem Exploration Award ausgezeichnet wird. Prämiert werden nicht die schönsten Internetsites, sondern Konzepte, die zeigen, wie sich die traditionellen Medien durch das Internet verändert haben, verändern werden und verändern müssen.

Dieses Jahr treffen sich gut 600 Teilnehmer, in der Mehrheit Autoren, Regisseure, Filmemacher und Dramaturgen im Haus des Rundfunks an der Masurenallee zur gemeinsamen Diskussion und Auszeichnung ihrer Werke. Um den Prix Europa bewerben sich in diesem Jahr knapp 650 Beiträge aus 38 Ländern. Vergeben werden 14 Preise in acht Kategorien. Für den Nachwuchs war der Prix Europa schon immer ein beliebtes Sprungbrett. Andreas Dresen bekam hier seinen ersten Preis. Im letzten Jahr wurde der Regisseur für "Nachtgestalten" ausgezeichnet, in diesem Jahr ist er mit seinem ARD-Film "Die Polizistin" vertreten, der bereits einen Adolf-Grimme-Preis und gerade einen Deutschen Fernsehpreis gewonnen hat. Mitunter ebenso wenig risikofreudig zeigen sich die einreichenden Anstalten im Radio. Der SFB hat sein Feature "Mein Sohn, der Nazi" nominiert, das gerade den Prix Italia bekommen hat, der WDR schickt den "Pitcher" von Walter Filz ins Rennen, gekrönt mit dem diesjährigen Hörspielpreis der Kriegsblinden. Allerdings hat sich die Kölner ARD-Anstalt auch getraut, das riskante Stück "Crashing Aeroplanes" von Andreas Ammer ins Rennen zu schicken, das mit den O-Tönen von Voicerecordern abgestürzter Flugzeuge arbeitet.

Am 20. Oktober schließlich werden die Preisträger bekannt gegeben. Tags darauf sendet der SFB im Anschluss an seine Wahlberichterstattung am nächsten Sonntag um 23 Uhr 30 den Siegerfilm.

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