Pro-7-Thriller : Verfolgt in Berlin

Vor allem dank der Musik ist „Killerjagd“ mit Alexandra Neldel ein fesselnder Thriller. Ein Film für die ganze Familie ist er jedoch nicht.

Tilmann P. Gangloff
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Schussbereit: Anna (Alexandra Neldel) weiß sich zu wehren. Foto: ProSieben

Der Doppeltitel ist allzu reißerisch und der zweite Teil ohnehin blödsinnig, aber vor allem dank eines enorm effektiven Musikeinsatzes ist „Killerjagd. Töte mich, wenn du kannst“ ein fesselnder Thriller. Die spielfilmlange Fortsetzung der Pro-7-Serie „Unschuldig“ bleibt dem bekannten Schema treu: Juristin Anna Winter (Alexandra Neldel) rollt einen vermeintlich längst geklärten Fall auf, um einen Mann aus dem Gefängnis zu holen.

Nach ihrem letzten Abenteuer, bei dem sie entführt und lebensgefährlich angeschossen wurde, hatte Anna allerdings die Nase voll von der Kriminalistik. Sie schließt ihre Kanzlei und heuert in einem Callcenter für Rechtsfragen an. Dort stöbert sie ein anonymer Anrufer auf. Er berichtet ihr von einem Mord, für den ein anderer verurteilt worden ist. Bei dem Informanten handelt es sich offenbar um einen etwas aus dem Tritt gekommenen Journalisten (Waldemar Kobus). Der hat herausgefunden, dass junge Frauen rund um Berlin seit fast zwanzig Jahren nach einem immer wieder gleichen Ritual ermordet werden. Tatsächlich hat der von ihm „der Henker“ genannte Killer zwischenzeitlich erneut eine junge Frau entführt und ermordet. Sein nächstes Opfer ist Annas Freundin Caro (Karoline Schuch); aber eigentlich hat er es auf die Anwältin abgesehen.

Sieht man über die eine oder andere Ungereimtheit hinweg (der Juristin scheint gar nicht aufzufallen, dass ihr Informant gemeuchelt aus der Geschichte verschwindet), macht Regisseur Manuel Flurin Hendry aus relativ wenig Handlung (Buch: „Unschuldig“-Autor Frank Weiss sowie Sven Poser) einen ziemlich packenden Film. Matthias Matschke muss als Mörder allerdings ein bisschen viel mit den Augen rollen, und die Ursache für seine zwanghafte Mordlust ist kräftig an den Haaren herbeigezogen. Aber derlei stört Thriller-Fans erfahrungsgemäß nicht weiter, wenn die Geschichte bloß spannend genug erzählt wird. Für Spannung sorgt die Musik von Fabian Römer, der selbst aus harmlosen Bildern noch ein beeindruckendes Thriller-Potenzial herausquetscht. Eindrucksvoll sind auch die Szenen am Berliner Hauptbahnhof. Hier kriegt Anna den Killer beinahe zu fassen, doch stattdessen wird ihr Freund (Clemens Schick) halb totgeschlagen. Später offeriert ihr der Mörder weiße Rosen und lockt sie in einen U-Bahntunnel, wo Anna das jüngste, in Plastikfolie verpackte Opfer findet; ein grausiger Anblick.

Ein Film für die ganze Familie ist „Killerjagd“ nicht. Die Folterbilder reizen aus, was um diese Uhrzeit unter Aspekten des Jugendschutzes gerade noch möglich ist. Dass dem Leben des Killers zuletzt gleich mehrfach ein Ende gesetzt werden muss, gehört hingegen zu den Gesetzen des Genres. Tilmann P. Gangloff

„Killerjagd. Töte mich, wenn du kannst“, Pro 7, 20 Uhr 15

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