Programmkonzept : Sido wird "Popstar“

Der Sender Pro 7 kämpft um bessere Quoten. In der nächsten TV-Saison bemüht er sich weiter um Profil. Unter anderem hat er für die Jury der Casting-Show "Popstar" den Rapper Sido verpflichtet.

Tim Klimeš
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Sido mit MaskeFoto: dpa

„Diese Veranstaltung wird erträglicher und kürzer als ,Sarah & Marc in Love'“ versprach Pro-7-Hauskomiker Christoph Maria Herbst zu Anfang. „Zusätzlich kommt Sarah Connor nicht, es kann also nur gut werden.“ Dabei hätten ein paar Sendergesichter auf der Programmpräsentation für das TV-Jahr 2008/09 in München vielleicht ganz gut getan. Genau wie Connor waren auch Stefan Raab, Sonya Kraus, Heidi Klum und Bully Herbig nicht gekommen. Zu Hause geblieben war das, was Pro 7 seine „Star Force“ nennt.

So musste es die bereitstehende Prominenz besorgen, den Sender am Donnerstagabend gut aussehen zu lassen. Bereits zwei Tage vor der Veranstaltung hatte die Presseabteilung per Mail und einer selbstbewusst als „VIP-Liste“ bezeichneten Gästeliste angekündigt, wer da sein wird: unter anderen Aiman Abdallah, Gülcan Kamps, Frank, der Weddingplaner, Detlef D. Soost. „Star“ ist offenbar ein dehnbarer Begriff bei Pro 7.

Um kurz nach acht dann öffnete Moderator Herbst den Pro-7-Problemen die Tür. „Wo ist eigentlich Guillaume de Posch?“, fragte er, „etwa auf Urlaub in Liechtenstein?“ Der Vorstandschef des ProSiebenSat1-Konzerns hatte im Juni seinen Abschied angekündigt. Ein Grund: Pro 7 hatte in der Vergangenheit immer öfter mit schleppendem Werbezeitenverkauf zu kämpfen und – neuestes Übel: Die frischen Serienstarts von „Dr. Psycho“, „Kalkofes Mattscheibe“ und „Gülcan & Collien ziehen aufs Land“ versenden sich immer öfter mit mageren Quoten. Probleme also. Guillaume de Posch jedenfalls war an diesem Abend auch nicht da.

Dafür Neu-Geschäftsführer Thilo Proff, der gemeinsam mit Herbst die sieben Säulen des Programms beschwor, von Comedy bis Contest-Shows, von der Infowelt bis hin zu den US-Serien. Mit diesen wird Pro 7 auch 2008/09 versuchen, Profil zu zeigen. Klassiker wie die „Desperate Housewives“ oder „Grey’s Anatomy“ sind auf lange Sicht gebunkert – hinzu kommen Neueinkäufe wie „Gossip Girl“ von „O.C. California“-Macher Josh Schwartz, in der die reiche New Yorker Oberschicht ihre Problemchen bewältigen muss. Bei den US-Spielfilmen erwarten den Zuschauer unter anderen das 9/11-Drama „World Trade Center“ mit Nicolas Cage, der „Da Vinci-Code“ und Oliver Pocher als „Vollidiot“.

Auch in den Eigenproduktionen will sich Pro 7 nicht geschlagen geben. Mit „Unschuldig“ kommt die schwach eingeschaltete Serie mit Alexandra Neldel wieder auf die Schirme, diesmal in Spielfilmlänge. „Den Zuschauern eine zweite Chance geben“, nennt Thilo Proff die Taktik, dem Publikum ein abgelehntes Produkt noch einmal vorzusetzen. Das obligatorische Abenteuer-Format wird dieses Mal in Argentinien spielen. Die Show „Heul nicht, lauf“ wird von Raab-Hausmoderator Matthias Opdenhövel und Charlotte Engelhardt moderiert werden.

Bei den anstehenden „Popstar“-Castings wird neben Detlef D. Soost und Loona – dem blonden Mallorca-Mädel, das 1998 mit „Bailando“ einen Hit hatte – auch Maskenmann Sido Platz nehmen. „Germany’s Next Topmodel“ hingegen läuft weiter wie gehabt. Mit Heidi Klum habe der Sender gerade einen neuen Vertrag unterzeichnen können, sagte Proff. „Das Format wird uns also über lange Jahre erhalten bleiben.“ Vielleicht kommt Klum ja dann auch im nächsten Jahr zur Präsentation. Tim Klimeš

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