Promi Big Brother : Experiment in der Fernseh-WG

Claudia Effenberg, Michael Wendler und weitere 1/8-Promis ziehen ins Big-Brother-Haus und es passiert: Nicht viel. Unsere TV-Kritik zum Start von „Promi Big Brother“.

Richard Weber
Claudia Effenberg bei Promi-Big-Brother. Foto: dpa
Claudia Effenberg bei Promi-Big-Brother.Foto: dpa

Stellen Sie sich eine große Familienfeier vor. Zu Besuch kommt eine weit entfernte, ziemlich heruntergekommene Tante, ungepflegt, wenig Geld, nicht besonders helle und seit Jahren nur damit beschäftigt, einen Kerl abzube-kommen. Auf dem Fest trifft sie die strahlende und intelligente Cousine, vermögend, erfolgreich und mit vielen tollen Männern liiert. Selbst das strenge Familienoberhaupt liebt die Cousine und verachtet die Tante. Ersetzen sie Cousine durch „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und die Tante durch „Promi Big Brother“, dann haben sie das ganze Elend von SAT.1 klar vor Augen. Der Privatsender spielt schon lange nicht mehr oben im Quoten-Himmel mit. Die Zuschauerzahlen der ersten Staffel waren so schlecht, dass es eigentlich keine Fortsetzung geben dürfte. Aber irgendwas muss SAT.1 ja senden.

Promi Big Brother hat jetzt die Unterzeile „Das Experiment“

Wenigstens hat der Sender, oder besser Endemol Deutschland kräftig an dem TV-Produkt rumgesägt und rumgeschraubt. Die Bewohner leben nicht mehr zusammen im Haus. Es gibt ein komfortables „Oben“ und ein schmieriges und schmutziges „Unten“. Und die Zuschauer bestimmen, wer wo seine Zeit verbringen darf. Oliver Pocher wurde ersetzt durch Jochen Schropp. Und die scheinbar wichtigste Änderung, immerhin wird sie gefühlt alle zwei Minuten mit voller Inbrunst verkündet. Promi Big Brother hat jetzt die Unterzeile „Das Experiment“.

Nur wurde dadurch aus der jämmerlichen Tante ein ansehnliches und angesehenes TV-Familienmitglied? Die erste Folge ist mit drei Stunden Sendezeit einfach viel zu lang. Und das Claudia Effenberg minutenlang durchs leere Haus schlendert, Cola-Light-Flaschen und Chilischotten bejubelt, wäre bei RTL ganz sicher nie passiert. Auch sonst sieht man nicht so viel, das wirklich besser wurde. Jochen Schropp ist nett und bemüht. Aber seine Fragen bei den Interviews sind so ernsthaft und bedeutungsschwanger, als ob er wirklich daran glaubt, das diese Sendung ein streng wissenschaftliches Experiment sei. Erst gegen Ende traut er sich, wenigstens ein paar sanfte Gemeinheiten rauszuhauen.

Michael Wendler in der Fernseh-WG

Wie völlig anders ist da die Dschungel-Camp-Konkurrenz von RTL, Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Sicher keine Giganten der Ansage-Kunst, aber extrem gut versorgt mit fremdgeschriebenen Gags, Wortspielen, Bonmots und Kalauern. Deren Zwischenmoderationen - amüsante Zierstücke. Pfiffig, aufgedreht und im besten Sinn sophisticated. Cindy aus Marzahn darf bei SAT.1 als sparsam eingesetzter Sidekick eher derbe Bemerkungen im Schenkelklopfer-Stil ablassen. Die 12 Kandidaten bei „Promi Big Brother“- der übliche Medien-Bodensatz. Bei einigen der 1/8-Berühmtheiten verbietet sich die Bezeichnung „Promi“. Aaron Troschke (gefeiert, weil er bei „Wer wird Millionär?“ etwas zu lange mit Günther Jauch geplaudert hat), Janina Youssefian (berüchtigt als Dieter Bohlens Teppichluder, wobei der Teppich eigentlich ein Zuschneidetisch war) und Ela Taş (eine der 22 Gespielinnen des RTL-Bachelors, die in einer Folge eine Glastür rammte und in einer anderen Folge ohne Rose verschwinden musste). Tragisch und etwas grotesk, der Sänger Hubert Kah. Mit irren Blicken und seltsamen Körperbewegungen taumelt er durch die Sendung. Hoffentlich sorgen die übrigen Hausbewohner - Claudia Effenberg, überdreht und vorlaut, Ronald Barnabas Schill, Ex-Richter Gnadenlos, Ex-Politiker, Favela-Bewohner und ein besonders schmieriger Aufreißer und Anmacher, und vor allem Michael Wendler in den nächsten Tagen für etwas Dampf in der Fernseh-WG. SAT.1 braucht einfach mal wieder gute Quoten.

 

 

 

 

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