Medien : Provokant, ja arrogant?

„Deutsche Lebensläufe“: Porträt von Sebastian Haffner zum Start

Tilmann P. Gangloff

Auf den ersten Blick haben sie kaum etwas gemeinsam. Auf den sechsten Blick aber, wenn man alle Filme gesehen hat, ergibt sich ein Kaleidoskop des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Die Kulturredaktionen von SFB, SWR und ORB haben die Biografien für die zweite Staffel der „Deutschen Lebensläufe" so arrangiert, dass nahezu alle Facetten des gesellschaftlichen Lebens erfasst wurden: Komponist Kurt Weill, Studentenführer Rudi Dutschke, Philosoph Martin Heidegger, Bildhauer Arno Breker, Dramatiker Arnolt Bronnen, Publizist Sebastian Haffner.

Mit Haffner startet auch die neue Staffel heute um 22 Uhr 40 Uhr bei SFB 1. Der Film verdeutlicht das Grundkonzept der Reihe: Einstieg mit einem Ereignis oder Interview aus jüngerer Zeit, gefolgt von gesellschaftspolitischer oder künstlerischer Einordnung, dann erst chronologischer Aufbau. Die Autoren greifen auf konventionelle Muster zurück: Kombiniert werden zeitgenössische Dokumente, Fotografien, heutige Aufnahmen damaliger Schauplätze sowie Interviews mit noch lebenden Zeitzeugen oder entsprechendem Material aus den Archiven. Interessanter als die Machart ist der Inhalt, denn der kann sich durchaus sehen lassen.

Das Porträt des streitbaren Sebastian Haffner von Rajan Autze zum Beispiel ist alles andere als ein Jubelstück. Man mag kritisieren, dass es Autze ein wenig mit Zitaten aus Haffners Buch „Geschichte eines Deutschen" übertreibt und sich mitunter auch im Kommentar etwas versteigt: Fotos von Haffner aus den späten 50er Jahren zeigen angeblich „Züge einer arroganten, fast brutalen Dominanz". Doch unterm Strich entsteht das Porträt eines streitbaren Intellektuellen, dessen perfektes Auftreten mitunter in starkem Kontrast zu seinen provokanten Thesen stand.

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