Psychodrama : Vater mit Psychose

Matthias Brandt spielt einen schizoiden Vater, der jeden Moment ausrasten könnte. Was das für seine Familie bedeutet beschreibt das Fernsehspiel "Vertraute Angst".

Verena Friederike Hasel

Der Mensch der Jetztwelt begibt sich kaum noch in Gefahr, außer er liebt. Dann fügt er sein Leben an ein zweites und glaubt, dass der andere es schützen wird wie sein eigenes. Um dieses Vertrauen geht es auch im Film „Vertraute Angst“. Dort sind die Grenzen zwischen Anja (Johanna Gastdorf) und Thomas (Matthias Brandt) freudvoll gefallen: ein Bett, Ehe, zwei Kinder. Dann merkt Anja, dass sie Schutzbarrikaden gegen Thomas braucht. Eines Abends rastet er aus, steckt das Haus in Brand, kommt in die Psychiatrie. Akute schizoide Psychose, so die Diagnose. Als er nach vier Jahren entlassen wird, sieht der Zuschauer, dass Anja die Augen nicht schließt, als Thomas sie in den Arm nimmt.

In der Liebe wachsam bleiben, umarmen, was auch fremd sein könnte – das Potenzial des Thrillers unter der Regie von Christiane Balthasar ist groß, doch die Umsetzung fällt ab. Das liegt zum einen an den Bildern: Im Schaumbad liegend ruft Anja ihren Liebhaber auf Zeit Frank (Andreas Schlager) an, prompt wechselt die Kamera zu ihm aufs Sofa. Er hat das Telefon am Ohr und ein Rotweinglas in der Hand. Schnitte von einem Telefongesicht aufs andere – das ist wenig filmisch.

Besser ist da die Leistung von Matthias Brandt, der den schizoiden Charakter überzeugend verkörpert. Stets etwas geduckt bewegt sich Thomas durch die Szenen, ist freundlich, angepasst, und doch könnte da jeden Moment etwas bersten. Leider ist seine Persönlichkeit für Autor Wolf Jakoby nur ein Träger gewesen, um das Gerüst der Geschichte abzustützen. Kaum ist Thomas aus der Klinik entlassen, mehren sich seltsame Vorfälle. Der Hund verschwindet, in Franks Büro wird eingebrochen. „Ich weiß nicht, ob Thomas wieder gesund ist“, sagt Anja zu einer Freundin. Damit tut der Film so, als sei psychische Gesundheit eine feste Größe und entwickelt sich zum reinen Intrigenspiel. Verena Friederike Hasel
 

„Vertraute Angst“,ARD, 20 Uhr 15

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