Qualität im Fernsehen : Reich-Ranicki bleibt hart

„Auch Unterhaltungsprogramme brauchen Niveau“, sagt der Kritiker im ZDF-Gespräch mit Gottschalk

Hannes Heine
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Versöhnung? Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk. -Foto: dpa

Die Stimmung war freundlich, Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk mögen sich immer noch. Dem ZDF zufolge bleiben beide beim „Du“. In der am Mittwoch aufgenommenen Sendung „Aus gegebenem Anlass", die das ZDF am Freitag um 22 Uhr 30 ausstrahlt, sind der „Wetten, dass..?“-Moderator und der Literaturkritiker über die Qualität des Fernsehens aber weiterhin unterschiedlicher Meinung. „Das Fernsehen muss sich mehr Mühe geben“, forderte Reich-Ranicki. Nach Gottschalks Auffassung hat ihn allerdings gerade das Fernsehen „als unterhaltsamen Menschen“ bekannt gemacht.

Reich-Ranicki hatte bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Samstag für sein Lebenswerk und für die ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ ausgezeichnet werden sollen. Den Preis hatte er bei der Gala jedoch brüsk zurückgewiesen und damit einen Eklat ausgelöst. Er habe bei der Verleihung viel „Blödsinn“ gesehen und gehöre nicht dazu. „Ich habe nichts zu bereuen, ich nehme nichts zurück“, sagt der 88-Jährige nun. Ausdrücklich lobte Reich-Ranicki die am Samstag ebenfalls preisgekrönte Doku „Das Schweigen der Quandts“, in der es um die BMW-Gründer während der NS-Zeit geht.

Die Qualität des Films sei bei der Gala aber nicht zum Vorschein gekommen. Der Autor der Dokumentation, Eric Friedler, sollte übrigens am Donnerstagabend mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet werden. Reich-Ranicki bleibt indes hart: „Auch Unterhaltungsprogramme müssen mehr Niveau haben.“ Shakespeare etwa, für den Kritiker der größte Dichter, habe solche Unterhaltung geboten. Seine Stücke müssten verfilmt werden. Der Richtige fürs Fernsehen wäre auch Lyriker Bertolt Brecht: „Der größte Poet.“

Derweil hat ARD-Programmdirektor Günter Struve die Kritik an der Qualität des deutschen Fernsehens zurückgewiesen. Das Niveau sei nicht schlechter als vor 20 Jahren, sagte Struve bei einer Filmpremiere in Hamburg. Der scheidende ARD-Chef Struve erinnerte an die Sender 3Sat und Arte, die die TV-Qualität deutlich gesteigert hätten. Zum Vorwurf, auch die öffentlich-rechtliche ARD würde sich zu sehr am „Massengeschmack“ orientieren, erklärte Struve: „Ein Massenmedium müsse Mehrheiten jenseits der kulturellen Elite erreichen.“

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