Medien : Quoten & Doping

Frank Bachner

Tour de France, ARD und ZDF . Nun rücken wieder wuchtige Schlösser ins Bild, Felsküsten und Bergdörfer. Eine Tour-deFrance-Übertragung ist ja eine zähe Sache. Stundenlang radelnde Profis zu zeigen, ist nicht sehr spannend. Dass es zu einzelnen Fahrern diverse Anekdoten gibt, in denen nicht automatisch Doping vorkommt – okay. Der Punkt ist, wie dosiert das Reizthema in den Reportagen von ARD und ZDF behandelt wird. Bis zur Tour 2006 wurde es in homöopathischen Dosen gereicht, sonst wäre die Quote in Gefahr geraten. 2006 ist vieles anders. Die Blutbeutelfunde in Spanien und, medialer Super-GAU, die Suspendierung des nationalen Sport-Heros Jan Ullrich müssen ein Umdenken ausgelöst haben. ARD- und ZDF-Reporter arbeiten auf einmal wie echte Journalisten. Rudi Cerne zum Beispiel. Stellt die richtigen Fragen, bohrt nach. Ausgerechnet Cerne, der oft genug in Interviews den Stichwortgeber gibt. In einem Gespräch mit dem Gerolsteiner Teamchef Hans-Michael Holczer und Olaf Ludwig, dem sportlichen Leiter des Ullrich-Teams T-Mobile, filterte er heraus, dass die Verantwortung einer Mannschaftsführung für ihre Fahrer begrenzt ist. Und Cerne war sofort bei Ludwig, als er über Kopfhörer von einer Durchsuchung bei T-Mobile erfahren hatte. Der überraschte Ludwig wusste von nichts. Die ARD hat ihren Dopingexperten Hajo Seppelt eingebunden, das ZDF ließ Jochen Bouhs den dopingverdächtigen Jörg Ludewig interviewen. Die Beiträge von Seppelt und Bouhs, sehr profilierter Sportreporter des ZDF, ergänzen die gute Arbeit der anderen.

Nur bleiben Fragen offen: Warum wachen ZDF und ARD jetzt erst auf? Warum hat die ARD ihren Dopingexperten Seppelt am Anfang mehr oder weniger ignoriert? Seine Mitarbeit sei nicht notwendig, wurde ihm zu Beginn des Skandals beschieden, man habe genügend gute Leute vor Ort. Klar, zum Beispiel SWR-Reporter Michael Antwerpes. Der hatte nach dem Tour-Ausschluss von Fahrern wie Ullrich allen Ernstes behauptet, wer jetzt noch im Feld rolle, sei garantiert sauber. Antwerpes, dies muss man zugeben, hat sich nach diesem journalistischen Blackout erheblich gesteigert.

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