Quoten : Wintersport ist Zuschauermord

Auf den ersten Blick ist das nicht zu glauben: Am Samstag sendet die ARD Wintersport von 10 Uhr 03 bis 17 Uhr 50. Der zweite Blick auf das Sonntagsprogramm lehrt, dass ein Irrtum ausgeschlossen ist.

Joachim Huber

Am Sonntag sendet die ARD Wintersport von 9 Uhr 55 bis 16 Uhr 30. Ohne Pause, in Farbe, nur die Sportarten wechseln. Ski, Eisschnelllauf, Rodel, Nordische Kombination, Biathlon, so geht das von Wochenende zu Wochenende, mal ruiniert das Erste das erste Programm, dann ruiniert das Zweite das zweite Programm. Die etablierten Sendungen werden mit kühlem Blut geopfert. ARD und ZDF sind zu weißen Riesen mutiert, als wollten sie mit dem stundenlangen Stieren auf Weiß und Eis die These von der globalen Klimaerwärmung ad absurdum führen.

Von leeren Zuschauertribünen lassen sich die enthusiasmierten Reporter/Kommentatoren/Moderatoren nicht beeindrucken. Gurgeln die schon zum Frühstück mit Jagertee? Die Unterschiede zwischen einem „Winterfest der Volksmusik“ und den Wintersport-Orgien sind nur graduell. Und weil es gar so schön ist, wird in „Sportschau“ und „Sportreportage“ das nächste Hurra gefeiert. ARD und ZDF sehen sich offensichtlich herausgefordert, ihren zähneknirschenden Verzicht auf die Tour de France im Sommer bereits im Winter zu überkompensieren. Dabei ist dieser Wahnsinn bloße Ouvertüre für die anstehenden Biathlon-Bob-Skisprung Weltmeisterschaften.

Auch der Wintersport, auch der vielgeliebte Biathlon ist vom hässlichen Doping unterwandert,was gerne an den äußersten Rand des Bildschirms geschoben wird. Hebt der allein gelassene Doping-Rechercheur Hajo Seppelt den Finger, dann fliegt sein Beitrag schon mal aus der „Sportschau“. Früher hieß es, es seien die Finnen, die spinnen. Stimmt nicht. ARD und ZDF sind’s.

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