Radio : Der Ball wird unrund

Klaus Walters Radioshow "Der Ball ist rund" im Hessischen Rundfunk gibt es seit 1984. Im kommenden Jahr soll sie keinen neuen Sendeplatz mehr bekommen.

Gerrit Bartels

Das Erstaunlichste an der Abwicklung dieser Radiosendung ist vielleicht, dass sie erst jetzt vorgenommen wird. Dass eine Sendung, die so anders war, die so wenig herrschenden Soundfarben entsprach, überhaupt so lange hat existieren können. Die Rede ist von Klaus Walters „Der Ball ist rund“ im Hessischen Rundfunk, die es seit 1984 gibt und die vom kommenden Jahr an keinen neuen Sendeplatz mehr bekommen soll. Denn schon in den achtziger Jahren waren die typischen Popwellen eine Qual, bestand ihr einziger Auftrag darin, die Hörer komplett zu verblöden. Da brauchte es nicht viel (und braucht es heute noch weniger), um sich davon abzuheben.

Klaus Walter jedoch wollte sich mit „Der Ball ist rund“ nicht nur abheben, sondern gleich popmusikalische Erziehungsarbeit leisten. Und das bedeutete auch politische Ansprüche beim Popmusikhören zu haben, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass ein Song der Wipers, von TV On The Radio oder der frühen R.E.M, dass Dub-Tracks jedweden Datums und natürlich jedes Hip-Hop-Stück mehr sind als bloße Hintergrundberieselung. Wer in den späten achtziger Jahren mit „Der Ball ist rund“ sozialisiert worden ist, für den begann jeden Montagabend ab 22 Uhr (später Sonntags, 23 Uhr) ein kleines Fest. Wer eine Verabredung hatte, nahm die Sendung auf Kassette auf, was den Vorteil hatte, sie wieder und wieder hören zu können, eine Art gesendeter „Spex“. Dafür nahm man sogar in Kauf, dass Walter jede seine Sendungen mit dem Witz „Und nicht vergessen: Das nächste Spiel ist immer das Schwerste“ beendete und nur selten eine Variation auf Lager hatte: „Und nicht vergessen: Am nächsten Sonntag das Kreuz an der richtigen Stelle machen!“

Mit dem Verschwinden von „Der Ball ist rund“ wird das noch schwerer. Und wie schön klingt da doch der verzweifelte Ausruf einer Freundin aus dem Hessischen: „Ihr wisst gar nicht, wie gut Ihr es in Berlin mit Radio 1 und Fritz habt.“

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