Medien : Radio, gib uns den ganzen Richard!

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Jedes Jahr im Sommer veranstaltet der europäische Kulturbetrieb eine Menge schicke Musikfestivals. Erlesenes Publikum trifft sich an ausgewählten Orten, um gute Musik zu konsumieren. Man trägt helles Leinen, trinkt Prosecco und genießt die Kunst als Attraktion im sommerlichen Wellness-Programm. Da es in dieser Kolumne aber gar nicht um Kulturkritik geht, sondern um aktuelle Radioangebote, sei auf die vielen interessanten Mitschnitte von den europäischen Festivals verwiesen.

Fast jeden Tag bringen die einschlägigen Sender jetzt live oder um Weniges zeitversetzt Höhepunkte aus Bayreuth, Schwetzingen, Salzburg, London. Notorische Avantgardisten und linientreue Konservative kommen gleichermaßen auf ihre Kosten.

Heute Abend können Sie die schönsten Arien aus Händels Opern hören, dargeboten von den Händel-Festspielen Göttingen (Kulturradio, 20 Uhr 05, UKW 92,4 MHz). Bei den Wiener Festwochen spielen die Philharmoniker Verdi, Busoni und Respighi (Deutschlandradio, 29. Juli, 20 Uhr 03, UKW 89,6 MHz), und die Ludwigsburger Schlossfestspiele bieten Beet hovens „Missa solemnis“ (DLF, 29. Juli, 21 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Ein Höhepunkt der diesjährigen Schwetzinger Festspiele ist Schuberts spätes „Streichquintett C-Dur“ , interpretiert vom Hagen Quartett und dem Cellisten Heinrich Schiff (Kulturradio, 29. Juli, 20 Uhr 05).

Wer hören will, was zeitgenössische Komponisten treiben, ist bei den „Wittener Tagen für neue Kammermusik“ genau richtig. Neue Stücke von Wolfgang Rihm, György Kurtag, Heinz Holliger (Kulturradio, 30. Juli, 20 Uhr 05). Auch das Festival „Mouvement“ in Saarbrücken widmet sich der musikalischen Gegenwart: und zwar mit der Uraufführung von Vinko Globokars Komposition „Les Chemins de la liberté“ (Deutschlandradio, 29. Juli, 0 Uhr 05).

Das Wochenende gehört dann ganz allein Richard Wagner . Wer dieses Jahr ausnahmsweise nicht nach Bayreuth fährt, kann sich via Radio an „Rheingold“ und „Walküre“ erfreuen (Kulturradio, 31. Juli/1. August, jeweils ab 20 Uhr 05). Eine Rarität gibt es im Deutschlandradio: den 3. Akt einer „Parsifal“ -Aufnahme aus dem Jahr 1942, am Pult Hans Knappertsbusch. Die Ausgrabung wird flankiert von einer essayistischen Betrachtung des Erlösungsmythos bei Wagner (31. Juli, 19 Uhr 30).

Wir empfehlen noch die MusikTriennale Köln, weil es da Edward Elgars „Enigma-Variationen“ zu hören gibt (Kulturradio, 3. August, 20 Uhr 05). Wenn Sie Musik mögen, aber Festspiele nicht, dann probieren Sie es doch noch mit einem schönen Nachtkonzert im Deutschlandfunk: „Gesänge des Orients“ . Zu hören sind orientalische Fantasien berühmter europäischer Komponisten (30. Juli, ab 2 Uhr 05).

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