Radio MA : Hierarchie wiederhergestellt

Der Radiomarkt in der Region: Antenne Brandenburg ist wieder Marktführer. Aber längst nicht alle öffentlich-rechtlichen Wellen konnten vom Hörerzuwachs profitieren.

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Im Radiomarkt Berlin-Brandenburg ist die alte Hackordnung wiederhergestellt. Antenne Brandenburg, die Landeswelle des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), konnte in der Region die Privatstation 104.6 RTL als Marktführer ablösen (siehe nebenstehende Grafik). Aktuell 231 000 Hörer in der Durchschnittsstunde, wie sie die Media-Analyse (MA) Radio 2012/I ausweist, bedeuten für das öffentlich-rechtliche Programm ein Plus von 40 000 Hörern gegenüber der Radio MA 2011/II vom vergangenen Juli.

104.6 RTL ist mit 206 000 Hörern quasi stabil geblieben, trotzdem konnte auch BB Radio (216 000 Hörer) vorbeiziehen. Die deutliche Zunahme bei fast allen Gewinnern der neuen Erhebungswelle ist vor allem auf das Faktum zurückzuführen, dass das Medium an Reichweite gewonnen hat, allein in Berlin sind mit 90 000 Nutzern fast fünf Prozent Radiohörer hinzugekommen.

Sortiert man die Zahlen nach den deutlichsten Zuwächsen und Verlusten, dann sind bei Radio Energy mit minus 19 000 Hörern die Sorgenfalten am größten. Aber was soll da das Jazz Radio sagen, dessen sowieso schon überschaubares Publikum sich glatt auf 6000 Fans halbiert hat? Auf der Positivskala können sich besonders Radio Teddy (plus 10 000 Hörer), das Klassik Radio (9000 Hörer) und das „Dickschiff“ Berliner Rundfunk 91,4 (22 000 Hörer) freuen. Star FM 87,9 und Jam FM Berlin wachsen im Gleichschritt. Ebenfalls zulegen konnte Radio Paradiso. Das christlich orientierte (Musik-)Programm wird im Juli seine UKW-Frequenz wechseln, von 98,2 nach 106,0. Dafür kommt Radio B 2. Das ist mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg so verabredet. Interessant wird zu beobachten sein, ob das Revirement den Zuspruch für Paradiso mindern wird.

Mit den genannten Privatsendern konkurriert ein öffentlich-rechtlicher RBB, dessen werbetragende Programme durchwegs Zuwächse vermelden. Schmal bei Inforadio und Radio Eins, kräftig bei Berlin 88,8 und Radio Fritz. Bei den Fritz-Werten lässt sich nur spekulieren, ob die Trennung von Ken Jebsen einen Aufmerksamkeitsbonus gebracht hat. Die Affäre um den geschassten Moderator fiel in den zweiten Erhebungszeitraum für die Radio MA 2012/I bis zum 18. Dezember. „Die Radioprogramme des RBB treffen den Geschmack des Publikums“, kommentierte RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle das Zahlentableau.

Nun will keine Rose ohne Dornen wachsen. Als einziges RBB-Programm erleidet das Kulturradio Einbußen. Die repräsentative MA-Stichprobe erfasst außer den werbetragenden Wellen – nach diesen Zahlen richten sich die Spotpreise – auch die sogenannten „Einschaltprogramme“, zu denen das Kulturradio gehört. Ihre „Währung“ ist aber ein andere, nicht die Durchschnittsstunde, sondern die Tagesreichweite, bei der die Nutzer über den Tag hinweg addiert werden. Danach verliert das RBB-Kulturradio 12 000 Hörer und hält aktuell bei 106 000 Hörern (möglicherweise in Zusammenhang mit den Gewinnen bei Klassik Radio). Deutschlandradio Kultur kann um 22 000 auf 92 000 Hörer wachsen. Das andere Programm aus dem Deutschlandradio, der Deutschlandfunk, erlebt einen regelrechten Absturz: von 178 000 auf 137 000 Hörer.

Was für Berlin-Brandenburg gilt, gilt für ganz Deutschland – die Radionutzung steigt. 58,43 Millionen Menschen schalten an Werktagen das Radio ein und bleiben durchschnittlich mehr als vier Stunden dran, heißt es in der Marktstudie der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse. Die Tagesreichweite liegt damit bei 79,6 Prozent, ein Zugewinn von 0,4 Prozentpunkte. Der Geschäftsführer der Gattungsinitiative Radiozentrale, Lutz Kuckuck, führt den Erfolg des Radios vor allem auf die Verbreitung über unterschiedliche Kanäle zurück. Radio finde seinen Weg zum Hörer über UKW, DABplus sowie immer mehr über das Internet. Vor allem der höhere Absatz von Smartphones sorge dafür, dass das Radio in der Hand- und Hosentasche mit dabei ist. Ausweislich der Radio MA 2012/I haben die Privatsender in Deutschland an Attraktivität gewonnen. Sie werden täglich von 33,64 Millionen Menschen eingeschaltet, ein Plus von 2,1 Prozent. Die ARD-Sender bleiben trotz eines Verlusts von 1,6 Prozent mit 38,28 Millionen Hörern vorne.

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse hat rund 64 000 Menschen in Deutschland nach ihren Lieblingsprogrammen befragt. Bei der zwei Mal im Jahr organisierten Erhebung werden die Hörgewohnheiten der deutschen Bevölkerung sowie von allen deutschsprachigen Ausländern ab zehn Jahren berücksichtigt.

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