Radio-Realitäten : MotorFM mit Aussetzern

Gesellschafter streiten über den Kurs des Senders. Tim Renner droht „im Zweifel“ mit Neugründung.

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Werbung für Internet-Hörer: Das MotorFMWallpaper zum Download. Foto: Promo
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MotorFM ist kein Radio wie andere. Nicht nur auf die Musikrichtung trifft die Bezeichnung „Alternative“ zu, auch in der Machart unterscheidet sich der in Berlin beheimatete Sender vom Gros der anderen Wellen. Doch in einem Punkt ist MotorFM so wie jedes Privatradio: Wenn’s ums Geld geht, ist Schluss mit lustig. Eine gerade angekündigte Kapitalerhöhung – wie berichtet haben die Gesellschafter beschlossen, „zur Finanzierung des geplanten Wachstums“ zusätzliche 1,35 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren – wurde offensichtlich doch nicht so einvernehmlich beschlossen, wie es in der Pressemitteilung klang. Ganz im Gegenteil: Fünf Jahre nach dem Sendestart Anfang 2006 schwelt ein gefährlicher Brand unter dem Dach von MotorFM.

Tim Renner, Mitbegründer von MotorFM und über das Unternehmen Motor Entertainment Minderheitsgesellschafter des Senders, knüpft an die Geldspritze eine harte Forderungen: „Wir tragen eine Kapitalerhöhung mit, wenn die beiden Geschäftsführer ihr Amt aufgeben und wie von uns schon lange gefordert eine professionelle Leitung zulassen“, sagte Renner dem Tagesspiegel. Die derzeitige Geschäftsführung sei nicht in der Lage, die wirtschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen, so der ehemalige Chef von Universal Music. „Die Kapitalerhöhung dient weniger der Expansion, sondern ist eine weitere Zwischenlösung des finanziellen Dauerproblems“, so Renner, der das Programm von der Kritik ausnimmt.

Ein Rücktritt als Geschäftsführer ist für Mona Rübsamen und Markus Kühn kein Thema, sie genießen nach eigenen Angaben weiterhin das Vertrauen der übrigen Gesellschafter. „Wenn es in der Vergangenheit eine zu geringe Kapitalausstattung gab, dann lag dies nicht daran, dass es an Kapital und Investitionsbereitschaft im Gesellschafterkreis gefehlt hat. Vielmehr hat Tim Renner den Zufluss auf Gesellschafterebene mit allen Mitteln blockiert“, sagt Kühn zur Renner-Drohung.

Den Vorwurf, ihm fehlten die Mittel für eine Kapitalerhöhung, weist Renner als „schlichtweg falsch“ zurück. Motor Entertainment habe „schriftlich und rechtsverbindlich angeboten, die Kapitalerhöhung mitzutragen, allerdings unter der Bedingung einer Professionalisierung“. An der Betreiberfirma von MotorFM sind vier Gesellschafter beteiligt. Die Frist für die Zeichnung der Kapitalerhöhung endete am Freitag. Sollte Renner seinen Anteil nicht tragen, würde sein Einfluss im Gesellschafterkreis (derzeit 37 Prozent) drastisch sinken, „unter die Sperrminorität von 25,1 Prozent“, wie Kühn sagt.

Bei dem Streit geht es unter anderem um die strategische Ausrichtung: Weder sei der digitale Weg konsequent weiterverfolgt worden noch sei genug dafür getan worden, die für die Vermarktung wichtigen Hörerzahlen zu erreichen, so Renner.

Am Freitagmorgen hat sich Renner mit Hans Hege, dem Leiter der Medienanstalt Berlin-Brandenburg getroffen, um mit ihm über die Situation bei MotorFM zu sprechen. Und noch eine andere Botschaft hatte er dabei: „Als Inhaber der Namensrechte an MotorFM fassen wir im Zweifel eine Neugründung ins Auge.“

Die Medienanstalt sieht sich allerdings nicht in der Rolle des Vermittlers. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, sagte Hans Hege nach dem Gespräch mit Renner. „Wir sehen MotorFM nach wie vor als Bereicherung der Vielfalt auf dem Radiomarkt an. Und es gibt keinen Anlass, am Programm zu mäkeln.“ Von daher habe die Medienanstalt ein Interesse daran, dass der Veranstalter überlebt. „Ich würde mich über eine aktive Teilnahme von Tim Renner freuen, vor allem aber über ein eindeutiges – auch wirtschaftliches – Commitment zu unserem Format, das schließlich auf den Gründungsgedanken zurückgeht, Radio anders zu machen“, sagt Mona Rübsamen, die auch am Aufbau von MTV Deutschland beteiligt war.

„Der Sendername MotorFM ist vielfach irreführend und die Markenlizenz läuft ohnehin im Januar 2012 aus. Die Gesellschafter haben bereits beschlossen eine alternative Markenstrategie zu prüfen“, sagt Kühn. Kurt Sagatz

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