Radio-Tipps : Aussteigen und abfahren

Digitale Demenz, mehrtägige Busreisen durch Europa und der Begriff der Schönheit nach Michel Houellebecq - Tom Peuckert blickt auf die kommende Radiowoche.

Mit seinem 2012 erschienenen Buch „Digitale Demenz“ hat der Psychiater Manfred Spitzer die Debatten um Wert und Unwert des Computers befeuert. Eine Maschine, die unsere Hirnmuskeln allmählich erschlaffen lässt, oder ein Werkzeug, das zwar Lernen und Wissen radikal verändert, aber die Menschheit keineswegs dümmer macht? In der nächtlichen Reihe „Das Gespräch“ erläutert Spitzer der Journalistin Regina Oehler, warum er den Computer für Teufelswerk hält. Das Feature „Digitale Demenz versus Medienkompetenz“ von Elisabetta Gaddoni bilanziert Argumente für und wider eine radikale Computerkritik (Kulturradio vom RBB, 15. August, 23 Uhr 03 / 19. August, 19 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Am Breslauer Platz in Köln liegt ein großer Busbahnhof. Hier beginnen und enden Busreisen durch ganz Europa. Man kann nach Istanbul fahren, nach Bukarest, nach Paris, nach Alma Ata. Der moderne Jedermann nutzt das Flugzeug, aber wer lässt sich drei Tage und Nächte über Europas Autobahnen kutschieren? Für sein Feature „Per Bus aus Moskau“ hat Autor Dieter Jandt auf dem Breslauer Platz Geschichten gesammelt. Vom Ankommen und Weggehen, vom Umherirren, vom Hoffen und der Hoffnungslosigkeit (Deutschlandfunk, 16. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Als das Aussteigen noch in Mode war, galt Kreta als heißer Tipp. Viel Natur und wenig Zivilisation, tolerante Griechen und Leben für kleines Geld. Das Feature „Zimmer mit Aussicht“ von Ursula Scheidle erzählt von drei Menschen, die vor über 30 Jahren auf die Insel gekommen sind. Klassische Aussteiger auf der Suche nach sich selbst und dem freien, wilden Leben. Nun sind alle um die 50 und immer noch auf Kreta. Zeit für Bilanzen. Was geschieht, wenn die Träume Wirklichkeit werden? Kann man wirklich heraus aus der Kultur und aus der eigenen Haut? (Deutschlandradio Kultur, 17. August, 18 Uhr 05 UKW 89,6 MHz)

Herta ist Kommissarin bei der Berliner Polizei. Eine Frau, die zu viel raucht und trinkt, was man ihr durchaus anhört. Es kann passieren, dass sie am Tatort für die Frau mit der Obdachlosenzeitung gehalten wird. In der amüsanten Serie von Kurzhörspielen „Wenn Herta ermittelt“ von Matthias Eckoldt geht es um den Tod eines Models. Die Indizienlage ist verwirrend, der Kreis der Verdächtigen groß. Da braucht es Hertas somnambule Gelassenheit, um aus einer Handvoll schriller Typen am Ende den wahren Mörder herauszufinden (Kulturradio vom RBB, 19. bis 23. August, jeweils 14 Uhr 10).

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq hält die Schönheit für das wichtigste kulturelle Kapital der Gegenwart. Nicht selten leiden Figuren in seinen Romanen an ihrem Mangel an physischer Attraktivität. Das Feature „Sexy Sells“ von Lorenz Schröter erzählt von der Erotik als heißer Ware auf allen sozialen Märkten. Die Spur der kapitalisierten Erotik reicht von der fernsten Kulturgeschichte bis in die jüngste Gegenwart (Deutschlandradio Kultur, 21. August, 0 Uhr 05).

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