Radiohören : Ritterspiele im LSD-Rausch

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten. Radio an!

Tom Peuckert

Für ihre Verehrer ist sie „Deutschlands letzte Diva“. Sie war Kinostar und Femme fatale, stand unter Pornografieverdacht und bekam später trotzdem das Bundesverdienstkreuz. Gemeint ist Hildegard Knef, der die Schauspielerin Gilla Cremer ein buntes Solo gewidmet hat. Mit ihrem Knef-Programm „So oder so“ ist Cremer auf vielen Theaterbühnen erfolgreich gewesen. Nun kommt die Collage aus Liedern, Gedichten und autobiografischen Texten auch ins Radio. Eine facettenreiche Hommage und zugleich eine unterhaltsame Lektion in deutscher Geschichte (Kulturradio, 7. März, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

 

Eigentlich suchte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann 1943 nach einem Migränemittel. Aber dann entdeckte er eine seltsame Droge, die Kulturgeschichte schreiben sollte. Das Lysergsäurediethylamid, kurz LSD, verwandelte menschliche Konsumenten in entrückte Träumer. Ein, zwei Generationen lang stritt man im Westen erbittert über den Nutzen dieser Entdeckung. Hatte Hofmann das Elixier der Befreiung gefunden oder einen bösen Rauschteufel aus der Flasche gelassen? Die lange Radionacht „Legende einer Wunderdroge“ von Günther Amendt erzählt von alten Schlachten, die nie wirklich entschieden worden sind (Deutschlandradio Kultur, 8. März, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

 

Die neue Episode des „ARD-Radio-Tatort“ führt uns in den Schwarzwald. Wo die Tannen am höchsten stehen und die Mundart am eigenwilligsten klingt, werden plötzlich Menschen nach mittelalterlichem Ritual abgeschlachtet. Nicht nur getötet, sondern auch der Innereien beraubt und mit Symbolen ihrer Schuld dekoriert. Im Krimi „Himmelreich und Höllental“ von Christine Lehmann ermitteln ein sturmerprobter Kriminaloberrat und seine quirlige Assistentin auf der Spur eines Serienmörders. Der Chef schwelgt in schwerem badischen Phlegma, die Nachwuchskraft übertreibt es mit dem Tempo. Was sich beim Showdown natürlich als genau die richtige Mischung erweist (Kulturradio, 10. März, 22 Uhr 04).

 

Wie hat man eigentlich in der DDR das Jahr 1968 verbracht? Gab es Hippies in Karl-Marx-Stadt? Drogentrips auf der Insel Rügen? Libertinäre Kommunen am Prenzlauer Berg? In ihrem Feature „Ich möchte am liebsten weg sein – und bleibe am liebsten hier“ geht Autorin Sylvia Conradt diesen und ähnlichen Fragen nach. Im Anschluss kann man in der Reihe „The Voice“ hören, wie Wolf Biermann das Jahr 68 besang. Etwas später diskutieren in der Reihe „Märkische Wandlungen“ Experten der ostdeutschen Alltagskultur über ein kleines Land zwischen Pariser Mai und Prager Frühling (Kulturradio, 11. März, 19 Uhr 04 / 22 Uhr 04).

 

Wir haben schon von engagierten Mittelalterfans gehört. Wir wissen, dass gesunde Erwachsene sich nach Büroschluss in Science-Fiction-Welten zurückziehen. Im Wochenendcamp spielt man den Krieg der Sterne nach oder verbringt die großen Ferien zwischen Burgattrappen. Aber was sind das für Leute, die ein zweites Leben als Klingone oder Kreuzritter führen und dafür auch viel Geld ausgeben? In seinem Feature „Mit Kettenhemd und Warp-Antrieb“ hat sich Autor Michael Reitz auf den Spielwiesen fantastischer Hobbys umgesehen. Er begleitet Zeitgenossen in bizarre Themenparks, beobachtet ihre abenteuerlichen Ritterspiele und irrwitzigen Planetenduelle und hat auch Europas größte Science-Fiction-Messe besucht (Deutschlandradio Kultur, 12. März, 0 Uhr 05).

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